Ölpest : BP vermeldet Erfolg im Golf von Mexiko

Klappe zu: Die "Deepwater Horizon" ist im April untergegangen – das "Kill"-Manöver zum Schließen des Öl-Lecks war laut BP erfolgreich.

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20. April 2010: Die 80 Kilometer vor der Küste des US-Bundesstaats Louisiana gelegene Förderplattform "Deepwater Horizon" explodiert, elf Arbeiter sterben.Weitere Bilder anzeigen
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19.04.2011 13:0120. April 2010: Die 80 Kilometer vor der Küste des US-Bundesstaats Louisiana gelegene Förderplattform "Deepwater Horizon"...

Nach Angaben des Ölkonzerns BP konnte das Öl-Leck im Golf von Mexiko am Mittwoch mit der Operation "Kill" offenbar geschlossen werden. Der Konzern sprach in einer Mitteilung von einem "bedeutenden Meilenstein". Die weitere Entwicklung solle nun weiter beobachtet werden.

Rund 4,9 Millionen Barrel (779 Millionen Liter) Rohöl sind nach den neuesten Schätzungen der Wissenschaftler seit der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April in den Golf von Mexiko geflossen. Damit ist dies nicht nur die schlimmste Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA, sondern die verheerendste Ölpest weltweit – um ein Drittel größer als die Verseuchung durch die mexikanische Bohrinsel „Ixtoc“ 1979, die bisher die schlimmsten Auswirkungen hatte.

Die neuen Zahlen beruhen auf Schätzungen eines Teams von Meeresbiologen verschiedener US-Universitäten, wie viel Öl im Juli täglich austrat, ehe BP den Ausfluss aus dem Bohrloch erstmals komplett stoppen konnte. Diese Zahlen wurden dann für den gesamten Zeitraum seit April hochgerechnet. Damit erhöhen sich auch die Strafgelder, die BP zahlen muss. Sie richten sich nach der ausgelaufenen Menge Öl und werden nun 4,5 Milliarden Dollar betragen. Falls nachgewiesen wird, dass grobe Fahrlässigkeit zu dem Unglück führte, können sie sich auf 14 Milliarden Dollar erhöhen. BP hatte in seiner Kostenkalkulation bisher eine Strafe von vier Milliarden Dollar veranschlagt.

BP hatte noch am Dienstag mit der endgültigen Versiegelung des Bohrlochs begonnen. Zuvor mussten Druckmessungen abgeschlossen werden. Der Prozess des Verschließens soll in zwei Phasen ablaufen und erstreckt sich über mehrere Tage. Beim sogenannten „Static Kill“ wird schwerer Bohrschlamm von oben in den Bohrschacht gepresst, um einen Druckausgleich gegen das aus der Tiefe nach oben schießende Öl und Gas herzustellen. Sobald der Druck von oben stabil höher ist als der von unten, wird das Loch mit Zement versiegelt. Beim anschließenden „Bottom Kill“ wiederholt sich diese Prozedur von unten - einige hundert Meter unter dem Meeresboden. Die dafür nötigen Entlastungsbohrungen in die tiefen Regionen des Bohrschachts sind nahezu abgeschlossen.

Im Mai war der „Top Kill“ von oben gescheitert. BP steigerte den Druck, mit dem der Bohrschlamm in den Schacht gepresst wird, immer weiter, konnte aber nicht erreichen, dass kein Öl und Gas mehr aus den Lecks im Bohrkopf und dem „Blowout Preventer“ austraten. Der Versuch wurde abgebrochen aus Furcht, der hohe Druck könne eine weitere Explosion auslösen. Zwei Dinge sind jetzt anders: Der Druck im Bohrloch ist inzwischen viel niedriger, vermutlich weil so große Mengen des Öls aus dem Macondo-Feld bereits ausgelaufen sind. Und es sitzt eine dichte Abdeckkappe oben auf dem Bohrkopf, was den „Static Kill“ erleichtert.

Wenn diese doppelte Versiegelung des Bohrschachts von oben und von unten tatsächlich gelingen sollte, wäre das allerdings noch nicht das Ende der Ölpest. Es wird Jahre dauern, bis sich die Natur erholt. Die Wissenschaft hat wenig Erfahrung mit den Auswirkungen. Die Ölteppiche auf der Oberfläche haben sich viel schneller zurückgebildet als erwartet. Vor einem Monat hatten sie einen Großteil des Meeres vor der Südküste der USA bedeckt. Nun sind sie fast völlig verschwunden, in den nur zweieinhalb Wochen, seit die dichte Abdeckkappe oben auf dem Bohrloch sitzt. Meeresbiologen sind überrascht, wie schnell sich die Natur hilft. Man weiß aber nicht, wie viele Ölwolken in tieferen Wasserschichten schweben, wo man sie von den Überwachungsflugzeugen aus nicht so leicht sehen kann.

Die Bewohner der Küstenregionen trauen der Wendung noch nicht. Laut einer Umfrage über die Folgen der Ölpest unter Bürgern in küstennahen Gemeinden von Louisiana und Mississippi fürchtet ein Viertel der Menschen dort, dass sie fortziehen müssen. Das berichtet die „New York Times“. Der Hauptgrund sind die Sorge um die Gesundheit der Kinder und die Furcht, den Lebensunterhalt nicht mehr in den gewohnten Bereichen verdienen zu können. Ein Drittel berichtet von Hautausschlägen oder Atemproblemen der Kinder. Und ihr Gemütszustand sei „sehr traurig“. Die Umfrage hatten Wissenschaftler des Forschungszentrums für Katastrophenschutz der Columbia-Universität in der Zeit vom 19. bis 25. Juli durchgeführt – kurz nachdem der Ölfluss aus dem Bohrloch gestoppt worden war.

Politisch hat die Ölpest den republikanischen Gouverneuren der Küstenstaaten genutzt und dem demokratischen Präsidenten Barack Obama geschadet.

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