Ölpest : Das Bohrleck zustöpseln

Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko setzt der Ölkonzern BP jetzt auf weitgehend unerprobte Methoden – und scheint dabei mehr zu hoffen denn zu wissen. Nun soll das Bohrleck mit Müll geschlossen werden.

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Kontrollierte Verbrennung. Wenn die Windstärke und -richtung es zulassen, schützen Küstenwache und BP die Küste auf diese Weise vor Ölteppichen.
Kontrollierte Verbrennung. Wenn die Windstärke und -richtung es zulassen, schützen Küstenwache und BP die Küste auf diese Weise...Foto: imago

Berlin - Mit der Installation einer riesigen Kuppel über dem größten Leck an der unermüdlich sprudelnden Ölquelle habe man „eine Enttäuschung“ erlitten, wie es ein BP-Vertreter am Montagabend nannte. Jetzt kommt zum einen ein kleinerer „Auffanghut“ zum Einsatz. Außerdem soll ein „Müllbeschuss“ das Leck verschließen. Hoffentlich.

Da bislang keine einzige Maßnahme die Ölpest effektiv eindämmen konnte, setzen sowohl BP als auch die Küstenwache auf die schiere Masse an Methoden. Hundertfach lässt BP die Unglückstelle, an der am 20. April die Bohrplattform „Deepwater Horizon“ versunken war, mit Chemikalien überfliegen. Diese sollen das schwere Öl in harmlosere Brühe umwandeln. Zeitgleich findet ein „dritter Test“ zum Einsatz der Chemikalien unter Wasser statt. Erfahrung damit hat man nicht in ausreichendem Maß, wie sowohl Küstenwache als auch BP erklärten. Man müsse Methoden, deren Einsatz über Wasser jahrelang erprobt wurde, in wenigen Wochen für unterseeische Zwecke testen. Nach Angaben von BP sind mehr als 275 Schiffe dabei, Öl abzuschöpfen. Wo immer und wann immer es die Wetterverhältnisse zulassen, werden Ölflecken auf der Wasseroberfläche kontrolliert verbrannt. Außerdem wurden schon ganze Flugzeugladungen der gelben und orangefarbenen Ölbarrieren ausgelegt, um die Küste zu schützen.

Die Ölpest im Golf von Mexiko
20. April 2010: Die 80 Kilometer vor der Küste des US-Bundesstaats Louisiana gelegene Förderplattform "Deepwater Horizon" explodiert, elf Arbeiter sterben.Weitere Bilder anzeigen
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19.04.2011 13:0120. April 2010: Die 80 Kilometer vor der Küste des US-Bundesstaats Louisiana gelegene Förderplattform "Deepwater Horizon"...

Im Unterschied zur gerade gescheiterten Kuppellösung hofft der Ölkonzern auf ein Gelingen mit dem kleineren Auffanghut, der bis Ende der Woche vor Ort sein soll. Durch die verringerte Größe soll das Eindringen von Wasser in den kleineren „Hut“ minimiert werden, was die Bildung von Eis verhindern soll. An der Eisbildung war die Kuppellösung gescheitert. Zusätzlich will BP heißes Wasser im „Hut“ zirkulieren lassen und Methanol beimischen.

Krude klingt der „Müllbeschuss“, das gibt auch der BP-Vertreter Lars Herbst zu. Allerdings sei die Methode durchaus eine komplexe Technik. Mit dem Beschuss der Leckstellen mit präzise ausgewählten Materialien – Gummistücke, wie etwa Teile alter Autoreifen – hofft man, einen kurzzeitig haltenden Stöpsel zu installieren. Darüber könnte man dann bleibende Verschlüsse beispielsweise aus Zement setzen. Auch diese Methode werde derzeit allerdings noch evaluiert. Ihr Einsatz könnte in zehn Tagen bis zwei Wochen folgen.

US-Präsident Barack Obama beriet unterdessen erneut mit seinem Krisenstab über das weitere Vorgehen. An den Gesprächen nahmen nach offiziellen Angaben die Minister für Verteidigung, Heimatschutz, Energie und Inneres teil. Der Präsident habe eine Delegation unter Leitung seines Energieministers, Physiknobelpreisträger Steven Chu, an die Golfküste entsandt, um den Konzern BP zu drängen, in seinen Bemühungen nach einer Lösung nicht nachzulassen, erklärte das Weiße Haus. Obama werde sich weiterhin dafür einsetzen, dass BP nicht nur für die Kosten für die Beseitigung der Ölpest aufkomme, sondern auch für alle Entschädigungszahlungen.

In New Orleans liefen am Dienstag offizielle Untersuchungen zur Ursache des Ölunfalls an. Zum Auftakt hält die Küstenwache Anhörungen ab. Ebenfalls am Dienstag sollte der Chef von BP Amerika, Lamar McKay, vor dem Energieausschuss des Senats in Washington zur Zukunft der Ölförderung vor den US-Küsten aussagen.

Sorgen macht den Behörden offenbar das Wetter: Heftige Winde könnten in den kommenden Tagen Teile des Ölteppichs in Richtung Mississippi-Delta drücken. Bislang waren die Küsten der südlichen Bundesstaaten am Golf vom Ölteppich nahezu verschont geblieben. mit AFP/dpa

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