Welt : Ölpest weitet sich aus

Der Ölteppich bedroht auch die Küste in Florida / BP startet neuen Versuch, Ölleck abzudichten

Grand Isle/ Washington - Die Ölpest im Golf von Mexiko breitet sich dramatisch aus: Jetzt sind auch die Touristen-Strände Floridas bedroht. In den Bundesstaaten Mississippi und Alabama werden Teerklumpen an Land gespült. Zugleich gab es bei einem erneuten Versuch, den Ölfluss zumindest einzudämmen, eine Panne. Beim Absägen des defekten Steigrohrs am Ölleck blieb die Säge stecken. Zunächst sei die erste Sägeaktion in rund 1500 Meter Tiefe erfolgreich verlaufen. „Dann blieb die Säge im Steigrohr stecken“, sagte US-Admiral Thad Allen. Er sei aber optimistisch, dass dies bald gemeistert werden könne.

Die Regierung in Washington macht unterdessen Druck: Die US-Justiz eröffnet zivil- und strafrechtliche Ermittlungen, um die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen. Das Öl sprudelt seit mittlerweile sechs Wochen ins Meer. Die „New York Times“ vergleicht die Situation bereits mit dem Geiseldrama im Iran vor 30 Jahren. Damals wurden 52 US-Diplomaten 444 Tage lang in Iran gefangen gehalten – US-Präsident Jimmy Carter fand keine Lösung und verlor die Wahlen. Nun wird Präsident Barack Obama unterstellt, der Katastrophe hilflos ausgeliefert zu sein. Obama selbst sagte in Pittsburgh: „Die Zeit ist endgültig gekommen, dass dieses Land eine Zukunft mit sauberer Energie wirklich annimmt.“ Der Präsident warb damit für einen Gesetzentwurf, der derzeit im Senat feststeckt, mit dem auch in den USA ein Handel mit Emissionszertifikaten für die Industrie in Gang kommen könnte. „Die nächste Generation darf nicht Geisel der Energiequellen des vergangenen Jahrhunderts sein“, fügte Obama hinzu.

Bisher war die Öl-Katastrophe auf Louisiana beschränkt: Dort sind mehr als 200 Kilometer Küste verseucht. Am Mittwoch wurde erstmals ein Ölfilm rund zehn Kilometer vor Florida entdeckt. Bedroht sei beliebte Badeort Pensacola.

Bei dem neuen Anlauf, den Ölfluss einzudämmen, wollen BP-Ingenieure nach dem Absägen des Steigrohrs einen Auffangtrichter über der Öffnung platzieren und das Öl auf ein Schiff ableiten. Doch die Operation hat Risiken: Zeitweise könnten Experten zufolge bis zu 20 Prozent mehr Öl als zuvor austreten. Die Operation gilt als überaus kompliziert. Zuvor waren zwei ähnliche Versuche, das Öl abzuleiten, gescheitert. Seit dem Unfall der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April strömen tägliche große Mengen Rohöl ins Meer. Zum Stillstand gebracht werden kann dieser Ölfluss wohl frühestens im August mittels einer Parallelbohrung.

Die Justiz setzte unterdessen Ermittlungsverfahren in Gang, sagte Justizminister Eric Holder am Dienstag (Ortszeit). „Wir werden das Handeln derjenigen, die mit dem ausfließenden Öl zu tun haben, genau untersuchen.“ Holder beriet das weitere Vorgehen mit lokalen Staatsanwälten in New Orleans. „Falls wir Hinweise illegalen Verhaltens finden, werden wir energisch reagieren“, sagte Holder. Auch Obama drohte bereits mit Härte: „Wenn unsere Gesetze gebrochen wurden und dies zu Tod und Zerstörung führt, dann verspreche ich, dass wir die Verantwortlichen vor Gericht bringen“, sagte er am Dienstag.

Als einer der Hauptverantwortlichen der Katastrophe gilt der britische BP-Konzern. Allerdings schoben sich die Beteiligten bereits bei Anhörungen in Washington gegenseitig die Schuld zu. BP meinte, die Verantwortung liege bei der Schweizer Firma Transocean, von der BP die Plattform gemietet hatte. Auch der Ölfeldausrüster Halliburton, der auf der „Deepwater Horizon“ mit Zementarbeiten beauftragt war, musste vor dem Parlamentsausschuss erscheinen. dpa/AFP

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