Welt : Ölzug setzt kanadische Kleinstadt in Brand

Nach Mitternacht in Region östlich von Montreal entgleist – Großteil des Stadtzentrums zerstört.

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Auch viele Stunden nach der Explosion stehen Rauchsäulen über der Stadt. Foto: rtr
Auch viele Stunden nach der Explosion stehen Rauchsäulen über der Stadt. Foto: rtrFoto: REUTERS

Ottawa - Eine Feuerkatastrophe mitten in der Nacht hat das Zentrum einer kanadischen Kleinstadt in Schutt und Asche gelegt. Kurz nach Mitternacht entgleiste in Lac-Mégantic, etwa 250 Kilometer östlich von Montreal, ein Zug, dessen vermutlich 73 Waggons Rohöl transportierten. Explodierende Wagen setzten rund 30 Wohnhäuser und Geschäfte in Brand. Über Todesopfer war zunächst nichts bekannt, aber mehrere Personen wurden als vermisst gemeldet. Erst am Abend wurde der Tod eines Menschen bestätigt.

Noch gegen Mittag hätten Feuerwehrleute nicht in die Nähe des Zentrums des Feuers vorrücken können, meldete die „Montreal Gazette“. Nach Angaben des kanadischen Rundfunks CBC rissen gegen 1 Uhr vier bis sechs heftige Explosionen die Menschen in der 6000 Einwohner zählenden Gemeinde aus dem Schlaf. Rund 1000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Stundenlang schossen die Flammen in den Himmel, schwarze Rauchwolken stiegen auf. Entsetzt beobachteten die Menschen , wie ihr Hab und Gut in Flammen aufging. Mit Tränen in den Augen und mit stockender Stimme sagte Bürgermeisterin Colette Roy-Laroche: „Wenn man sieht, dass der Großteil des Stadtzentrums auf diese Weise zerstört wird, dann fragt man sich, wie werden wir das überleben.“

Der Zug gehört kanadischen Medien zufolge dem Unternehmen Montreal Maine & Atlantic, das ein Schienennetz von mehr als 800 Kilometern besitzt, das sich von der kanadischen Provinz Quebec und New Brunswick in die US-Staaten Maine und Vermont erstreckt. Die Ursache der Entgleisung war am Samstagmittag (Ortszeit) noch nicht bekannt.

Die Gemeinde Lac-Mégantic liegt in der Region Eastern Townships, östlich von Montreal nahe Sherbrooke, einer attraktiven Hügellandschaft mit Wäldern und Seen. Befürchtet wird als Folge des Unglücks eine Verseuchung des Chaudière-Flusses, der aus dem Lac Mégantic fließt und nach einem mehr 100 Kilometer langen Verlauf bei Quebec City in den St.-Lorenz-Strom mündet. Der Sprecher des Umweltministeriums sagte, die Ölverschmutzung auf See und Fluss „beunruhigt uns“. Die Gemeinden, die ihr Wasser aus dem Fluss entnehmen, seien zu Vorsicht angehalten worden. Gerd Braune

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