Österreich : Ein Berg macht sich selbständig

Für Geologen ist es eine Sensation, für die Anwohner ein Albtraum: Unterirdische Erdschollen lassen in Österreich einen Berg abrutschen und drohen, ein Wohngebiet zu zerstören. Die Menschen werden in Sicherheit gebracht - und müssen abwarten.

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Am Ostufer des Traunsees gerät die Erde in Bewegung. -Foto: dpa

WienWegen geologischer Verschiebungen haben Einsatzkräfte am Fuße des Traunsteins im oberösterreichischen Ausflugsort Gmunden rund 60 Häuser evakuiert. Am Ostufer des Traunsees bewegen sich rund eine Million Tonnen Gestein langsam Richtung Wasser und drohen ein Wohngebiet mit sich zu reißen, sagte der stellvertretende Leiter des Katastrophenstabs, Wolfgang Sageder.

Im Berg bilden sich nach der Beschreibung Sageders seit Tagen große Spalten und Klüfte, Bäume stürzen um: "Es ist eine geologische Sensation." Grund für die Verschiebung ist aus Expertensicht der so genannte Gschliefgraben, der harte Kalkalpen von einer weicheren Schiefer- und Schotterzone trennt. Durch Erosion und die Witterung hat sich im Graben und tief in der Erde Wasser angesammelt, das die weichere Schicht in Richtung See drückt.

Keine Chance gegen die Naturgewalten

Forscher und Einsatzkräfte bringen Menschen in Sicherheit und untersuchen das Gebiet - mehr können sie nicht tun. Gegen die rund ein Kilometer lange und 80 Meter breite unterirdische Erdscholle habe man keine Chance, sagte der stellvertretende Leiter des Katastrophenstabes. Bei einigen Häusern sind Verschiebungen im Zentimeterbereich gemessen worden, Helfer sind Tag und Nacht mit Baggern im Einsatz, um wenigstens das Wasser - dass das Abrutschen beschleunigt - abzuleiten. Prognosen für die Entwicklung in den nächsten Tagen gibt es nicht. "Jeder Niederschlag ist weiterer Treibstoff", sagte Sageder.

Die etwa 70 Menschen aus den seit dem Wochenende evakuierten Häusern sind bei Verwandten, Freunden oder in Gasthäusern in der Gegend untergekommen. Nach österreichischen Medienberichten sind die geologischen Verschiebungen in diesem Gebiet seit Jahrzehnten bekannt, mit diesem drastischen Ausmaß hat jedoch niemand gerechnet. (smz/dpa)

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