Österreich : Kampusch kannte Freund ihres Entführers

„Ich wurde ihm als Nachbarin vorgestellt“, sagt Natascha Kampusch – der Beschuldigte bestreitet aber eine Mittäterschaft bei der Entführung der Österreicherin.

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Natascha Kampusch.Foto: dpa

Wien - Der Entführer von Natascha Kampusch hat die junge Frau kurz vor Ende ihrer Gefangenschaft vor mehr als drei Jahren mit seinem Freund Ernst H. bekannt gemacht. Damals habe Wolfgang Priklopil sie als Nachbarin vorgestellt, es habe aber zu nicht mehr als einem „Handgruß gereicht“, sagte Kampusch am Montagabend in der ORF-Sendung „Thema“. Sie habe ihn nie als möglichen Zweittäter „wahrgenommen“, sagte sie laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA in dem Interview weiter.

Erneut betonte sie, Priklopil sei bei ihrer Entführung 1998 allein gewesen. H. hatte erst am vergangenen Wochenende im Rahmen neuer Ermittlungen zu dem spektakulären Fall gestanden, dass ihm Priklopil kurz vor dessen Selbstmord die Entführung gebeichtet hatte. Laut seinem Anwalt hatte H. bislang aus Angst geschwiegen, selbst beschuldigt zu werden.

Natascha Kampusch war als Zehnjährige auf dem Schulweg entführt worden. Nach achteinhalb Jahren Gefangenschaft konnte sie im August 2006 aus einem Kellerversteck im Hause ihres Peinigers fliehen. Priklopil nahm sich daraufhin das Leben. Bisher gilt er offiziell als alleiniger Täter, es gibt aber immer wieder Gerüchte über mögliche Mittäter.

Die neuen Ermittlungen bezeichnete Kampusch als positiv, sie wandte sich aber gegen mögliche Spekulationen. „Natascha wehrt sich“, titelte die Boulevardzeitung „Österreich“ dazu am Dienstag. Es gebe keine Sexvideos, sie werde nicht erpresst und ihre Mutter sei auch nicht an ihrem Martyrium beteiligt gewesen, betonte Kampusch. Trotz der anhaltenden Spekulationen um ihre Entführung denke sie nicht daran, ihre Heimat zu verlassen: „Warum sollte ich als Verbrechensopfer, als Mensch, dem man schon so viel genommen hat, warum sollte ich klein beigeben und die Flucht ergreifen?“ Sie bleibe in Österreich und werde das Leben leben, „das ich gelebt hätte, wenn mir das alles nicht passiert wäre.“

Kampusch war vor einigen Tagen erneut stundenlang vernommen worden. „Ich bin froh, dass so einige Missverständnisse ausgeräumt werden konnten“, sagte die 21-Jährige. Ihre in der Vergangenheit als widersprüchlich bezeichneten Aussagen seien nur Missverständnisse gewesen. Nach Angaben der Oberstaatsanwaltschaft von Dienstag laufen die Ermittlungen gegen den Priklopil-Freund Ernst H. wegen einer möglichen Mittäterschaft weiter. Am Montag war bekannt geworden, dass er in seiner Vernehmung gestanden hatte, eine „Lebensbeichte“ von Priklopil kurz vor dessen Suizid gehört zu haben. (AFP/dpa)

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