Welt : Ötztal-Unglück: Skifahrer: Es gab keine Lawinenwarnung

Einen Tag nach der tödlichen Lawine im Tiroler Ötztal haben Beteiligte und Experten am Montag über die Verantwortung für das Unglück diskutiert. Ein Mitglied der achtköpfigen deutschen Skigruppe, die das Schneebrett am Rosskarschneid bei Obergurgl ausgelöst hatte, sagte dem "Mannheimer Morgen" (Montagausgabe), im Gegensatz zu den offiziellen Angaben habe es keine Gefahrenhinweise gegeben. Vertreter der Bergbahnen und der Gemeinde Obergurgl erklärten dagegen, Warntafeln und Blinkanlagen an den Talstationen hätten auf die Gefahr hingewiesen.

Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft leitete unterdessen Ermittlungen gegen den 35-jährigen Leiter der Gruppe ein, wie die Nachrichtenagentur APA meldete. Bei dem Unglück waren am Sonntag drei Mitglieder der Mannheimer Skigruppe ums Leben gekommen.

Grenzenlose Risikobereitschaft, Selbstüberschätzung, immer besseres Material und mangelnde Kenntnis über die Gefahren in den Bergen sind meist die Gründe für den Lawinentod von Skifahrern. Darüber waren sich einen Tag nach dem Tod von drei Deutschen in Obergurgl alle österreichischen Experten einig. Dabei ist die hohe Lawinengefahr zu Beginn der Skisaison "eher die Regel als die Ausnahme, ja oft schon sehr typisch", sagte der Leiter des Tiroler Lawinenwarndienstes, Rudi Mair, in Innsbruck.

Bei vielen Skifahrern liegt die Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit im "Trend der Zeit", hat der Präsident des Österreichischen Skischulverbandes, Erich Melmer, festgestellt. Die Werbung gaukele den Schneefans den "ultimativen Kick" vor und sie "begeben sich gedankenlos in Gefahr". "Die Risikobereitschaft ist in den letzten zehn Jahren stark gestiegen. Sie suchen einfach die Herausforderung."

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