Welt : Offizielles Jahresende im Petersdom: Den vollen Ablass der Sünden

Werner Raith

Mehr als vier Stunden mussten die Sünder am Freitag noch anstehen, bis sie die Heilige Pforte im Petersdom zu Rom noch durchschreiten und damit den vollkommenen Ablass erhalten konnten: Mehr als einen Kilometer Schlangestehen - und dazu bereuen und beten, damit der Antrag auf den begehrten Nachlass der Sünden auch Gültigkeit hat. Mit der feierlichen Heiligen Messe am nächsten Morgen, dem Dreikönigstag, hat Papst Johannes Paul II. das "Große Heilige Jahr 2000" offiziell für beendet erklärt und damit ein Jahrhundertspektakel abgeschlossen, das noch vor wenigen Jahren kaum jemand so erwartet hätte.

Zwar hatten sich die in manch hochgeschraubter Prognose erwarteten 30 Millionen Pilger am Ende doch nicht eingefunden - aber die 25 Millionen tatsächlich zum Vatikan gekommener Katholiken hat den Aufwand für die Kirche durchaus gelohnt, finanziell wie seelsorgerisch. Finanziell, da die Pilger umgerechnet fast 14 Milliarden DM in Rom gelassen haben, von denen ein ansehnlicher Teil in die Kirchenkassen geflossen ist, während die Renovierungskosten und Organisation der Massenaufmärsche die Stadt Rom und der italienische Staat getragen haben. Seelsorgerisch hat vor allem eine Reihe von Einzelereignissen wie das Weltjugendtreffen im August mit fast zwei Millionen Besuchern, der Tag der Behinderten oder das "Jubiläum der Kinder" der römischen Kirche einen Massenzulauf beschert wie seit nur selten seit dem Ausklang des Mittelalters. Zudem ist es Johannes Paul II. auch gelungen, mit einer Reihe spektakulärer Initiativen viele Andersgläubige versöhnlich gegenüber dem Vatikan zu stimmen - so mit seiner öffentliche Abbitte für Fehler, Intoleranz und Missetaten der römischen Kirche gegenüber Juden, oder für das Schweigen der katholischen Kirche gegenüber Gräueltaten der Nazis.

Die Hauptsorge des Papstes gilt nun der Frage, wie man den neuen Imagezuwachs auch konservieren und bei der weiteren Ausbreitung der katholischen Botschaft nutzen kann. In seiner Abschlusspredigt sagte er, das Heilige Jahr sei "nun zwar beendet, doch die wirklichen Aufgaben und die wahre Bewährungsprobe" für die Gläubigen noch lange nicht. Für die Leitung seiner Kirche wohl auch nicht: Nicht weniger als 20 neue Kardinäle sollen ernannt werden, und "da wird es sich erweisen, ob Karol Wojtyla am Ende nur die Weichen für eine fromme Wählerschar für einen Nachfolger in seinem Sinne stellen will", wie "La Repubblica fürchtet, oder ob die neue "Liberalität und Offenheit", die als Motto des Heiligen Jahres hochgehalten wurde, weiter gelten soll.

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