Welt : Ohne Eros

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Von Thomas Migge, Mailand

Sie hatten sich einen Termin für den späten Nachmittag erbeten. Um möglichst wenig Aufsehen zu erregen, wählten sie eine Uhrzeit aus, in der es in der Straße, in der Mailands Justizpalast liegt, besonders ruhig zugeht. Nur zwei Putzfrauen erkannten das Paar hinter den großen und dunklen Sonnenbrillen und fragten nach Autogrammen.

Mit einem ganz unspektakulären Auftritt vor einem Richter endete eine der aufsehenerrgendsten Ehen Italiens. Als Eros Ramazotti im April 1998 die bildschöne, großgewachsene und schlanke Michelle Hunziker vor den Traualtar führte, waren Hundertschaften von Journalisten und Paparazzi anwesend. So eine aufwändig gestaltete Zeremonie hatte es schon seit Jahren nicht mehr gegeben. Das Paar hatte Freunde und Bekannte aus aller Welt in das Mittelalterliche Schloss am See von Bracciano eingeladen, nicht weit von Rom entfernt. Unter den vielen VIPs kam auch Giorgio Armani angereist, einer der Busenfreunde von Ramazzotti. Der Mailänder Modemacher hatte von Anfang an an die Karriere des Popsängers aus dem römischen Stadtrandquartier Don Bosco geglaubt. Er kannte auch Michelle Hunziker, die als Modell arbeitete und von einer Fernsehkarriere träumte.

Michelle lernte ihren Eros kennen, als dieser schon ein Star war. Sie wurde sein treuster Fan und reiste, wann immer es ihr möglich war, den Konzerten ihres Vergötterten hinterher. So lernte sie ihn kennen und bald schon läuteten die Hochzeitsglocken.

Italiens Klatschpresse hatte ihr Vorzeigepaar und Gleichaltrige ihre Idole gefunden. Beide kommen aus einfachen Verhältnissen, beide wurden zu Stars und werden von Millionen von Jugendlichen angehimmelt. Die Oben-Ohne-Fotos von Michelle, geschossen auf diversen Fernreisen an Traumstränden, gingen zu horrenden Preisen über Redaktionstische. Als das Paar Aurora zur Welt brachte und Eros der Tochter einen Song widmete quollen die Medien vor Fotos und Reportagen nur so über.

Seit einigen Monaten aber herrschte Funkstille. Immer öfter waren die beiden allein zu sehen. Küsschengeben vor Kameralinsen gehörte nun der Vergangenheit an. Die anfängliche Verliebtheit, die nicht nur die italienischen Fans verzückte, war wie weggeblasen. Schnell zirkulierten Gerüchte über eine mögliche Trennung und Italiens popbegeisterte Öffentlichkeit hielt den Atem an. Von Woche zu Woche sickerten immer mehr intime Informationen aus der Villa des Paares in Inverigo in die Medien. Er sei sauer, hieß es, weil sie sich zu wenig um das Kind und zu viel um die Fernsehkarriere in Berlusconis Medienimperium Mediaset kümmere. Sie meckerte, weil er dauernd unterwegs war, Aurora links liegen ließ und ständig von irgendwelchen Sekretären und Bodyguards umgeben war. Jetzt also steht die Scheidung an. In gegenseitigem Einvernehmen. Sie bekommt das Kind und fünftausend Euro im Monat für dessen Unterhalt.

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