Welt : „Ohne Spaß wird man nicht alt“

Joan Riudavets ist mit 114 Jahren auf Menorca friedlich eingeschlafen

Ralph Schulze[Madrid]

Viele versuchten Joan Riudavets, dem bisher ältesten Menschen der Welt, sein Rezept für das ewige Leben zu entlocken. Und der Spanier, der am Wochenende auf der paradiesischen Balearen-Urlaubsinsel Menorca in Frieden einschlief, antwortete stets mit der schlichten Weisheit: „Das Wichtigste ist gar nicht, viele Jahre auf dem Buckel zu haben.“ Entscheidend sei vielmehr: „Das Leben zu genießen.“ Denn: „Ohne Spaß wird man nicht alt.“ Nicht das Streben nach Luxus und Reichtum bringe das Glück, predigte der gelernte Schuhmacher, sondern: „In Frieden, Ruhe und Freundschaft mit dem Rest der Welt zu leben.“ Dies gelang Joan Riudavets, der mit seinen 114 Jahren auch im Guinness-Buch der Rekorde geehrt wurde, offenbar meisterhaft. Dabei half ihm vielleicht auch, dass er sein Dorf Es Migjorn, ein verschlafenes Nest mit gerade 1000 Einwohnern, praktisch nie verließ.

Auch ohne die große weite Welt kann man offenbar zufrieden alt werden. Langweilig war es dem Mann nicht: Von klein auf habe er in der Schuhmacher-Werkstatt seines Vaters geschuftet. In seiner Freizeit nächtelang getanzt und Gitarre gespielt. Nach seiner Pensionierung, vor 49 Jahren, habe er dann „viel geschlafen“. Das Bett sei im hohen Alter sein liebster Platz gewesen, wo er täglich zwölf Stunden neue Kraft schöpfte.

Bettlägerig war Joan Riudavets jedoch keineswegs. Denn der bisherige „Welt-Urgroßvater“, der drei Kinder, fünf Enkel und sechs Urenkel hatte, war bis zu seinem Tod kerngesund: „Ich erinnere mich nicht, jemals Kopfschmerzen gehabt zu haben.“ Noch vor kurzem hatte er vergnügt berichtet: „Mir tut überhaupt nichts weh. Nicht einmal der große Zeh.“ Zwar schaue der Arzt öfter vorbei - aber auch nur weil der Doktor einer seiner besten Kumpel sei. Bei allem Glücksgefühl, das dieser schlichte und besonnene Mann stets ausstrahlte, wusste Joan Riudavets gleichwohl, dass auch seine letzte Stunde einmal schlagen würde: „Das einzige, was man in diesem Leben nicht ändern kann, ist der Tod.“

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