Welt : Ohnmachtsgefühle, Wut, Hass und Vergebung

Julia Rehder

Meist trifft es die Frau wie der Blitz: unerwartet und eindeutig. Es erhellt die Schattenseiten des gemeinsamen Daseins in Sekundenschnelle. Der Partner ist untreu, hat eine Andere. Betrogen auf ganzer Linie. Immer öfter werden solche Seitensprünge in der Öffentlichkeit ausgebreitet, sei es unfreiwillig oder freiwillig wie bei Uschi Glas, die in aller Offenheit ihre Gefühle zeigte.

Ohnmacht ist die erste Empfindung der Betrogenen. Danach kommt meist blanke Wut oder Hass. Man überlegt sich Strategien, wie man den einst heiß Begehrten am besten treffen kann: indem man die Autoreifen aufsticht, oder den oft hingebungsvoll polierten Lack seiner Open-Air-Karosse mit hübschen Farbklecksen besprüht. Egal, ob Mann oder Frau diese Racheakte nur gedanklich durchspielt oder sie in die Tat umsetzt, all diese Reaktionen sind "völlig normal", meint Diplom Psychologe Michael A. Friedrich. Im Gegenteil: "Wer nach zwei Wochen zu mir kommt und sagt, er habe dem Anderen vergeben, dem glaube ich nicht." Denn so schnell sei ein Verzeihen nicht möglich. Eine solche Reaktion bedeute vielmehr, dass man sich mit dem Schmerz nicht auseinandersetzen will. Ihn wegschiebt, um das Bild einer heilen Welt aufrechtzuerhalten. Bleibt die Aggression allerdings über Jahre bestehen, wirkt sie sich zerstörerisch aus.

Vor allem schadet sie letztlich nur einem selbst. Eine Weisheit, die so neu nicht ist. Auch Schiller hat bereits "den Fluch der bösen Tat" erkannt, "die fortzeugend immer Böses muss gebären". Dem anderen zu vergeben, ist langfristig gesehen also eine Art Selbstschutz, unabhängig davon, ob man damit die Partnerschaft rettet oder nicht. Wie schnell man dem Anderen vergeben kann - ob in drei Monaten oder in drei Jahren - sei individuell unterschiedlich und hänge nicht zuletzt auch an der Reife der eigenen Persönlichkeit, erklärt der Düsseldorfer Psychologe Friedrich. "Bitterkeit und Wut binden Energie, die sonst in die Veränderung des Schicksals fließen könnte" meint auch Ralf Debus, Psychotherapeut aus Köln. In Nordirland fanden Forscher heraus, dass diejenigen Eltern, die gelernt hatten, zu vergeben, wesentlich weniger unter psychosomatischen Störungen, Kopfschmerzen oder Magenbeschwerden litten.

Bevor das eigene Leben neu organisiert wird, braucht die Wut ein Ventil. Friedrich hat für seine Patienten folgenden Tipp parat: Man nehme einen Sandsack mit dem Foto vom Ex und schlage darauf ein, bis man völlig erschöpft ist. Für ihn eine Art, die Seele zu entleeren. In so einer Situation tue physische Erschöpfung der Psyche gut. Ein solches Abreagieren wirke selbstreinigend. Normalerweise geschieht das im Traum. Doch wenn wir sehr verletzt werden, reicht die Nacht nicht aus, um die Erlebnisse zu verarbeiten. Zumal ein traumatisches Ereignis, wie es ein Seitensprung sein kann, mit Schlaf- und Essstörungen, Konzentrationsschwäche, Selbstzweifel bis hin zu Selbstmordgedanken einhergehen kann.

Diese so genannte kurzzeitige reaktive Depression (man reagiert auf ein Ereignis) ist der Anfang vom Ende. Wobei das Ende das Loslassen markiert und somit den Neubeginn schon in sich birgt. Denn nur wer die Vergangenheit hinter sich lässt, kann in die Zukunft schauen. "Wenn Vergeben aus dem Herzen kommt", davon ist Friedrich überzeugt, "macht es einen selber frei."

Dazu gehört auch, dass man akzeptiert, was einem angetan wurde. Selbstzweifel und Schuldgefühle in einem früheren Stadium sind eher kontraproduktiv. Man verstrickt sich nur in Grübeleien. Sie verhindern, dass man das Geschehene mit etwas Abstand - also auch objektiver - sieht.

Uschi Glas scheint ihren Seelenfrieden wieder gefunden zu haben. "In meinem Herzen bleibt er der tolle Hecht, den ich immer in ihm gesehen habe," sagte sie über ihren Mann Bernd Tewaag in "Bild am Sonntag". Nachdem sie über Wochen deprimiert gewesen sei, könne sie mittlerweile über sich selbst lachen, sagte Glas. Und auch von einem möglichen neuen Partner hat sie bereits konkrete Vorstellungen: "Der Nächste muss lustig und unkompliziert sein! Einer, der gern isst, der gern lebt, der mit den Kindern gut kann. Und ohne Bauch, das wäre toll." Auf ein konkretes Beispiel angesprochen, nannte sie Richard Gere. "Der würde mir gut gefallen."

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