Oktoberfest 2012 : Ab Samstag heißt es wieder "O'zapft is"

Die Münchner wollen ihr gutes altes Oktoberfest zurückhaben. Australier, Holländer und Norddeutsche in bayerischen Trachten belagern seit vielen Jahren die Zelte – aber man ist ja tolerant. Am Samstag geht es wieder los.

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Bunte Trachten, Blaskapellen, Prachtkutschen - in einem farbenprächtigen Umzug sind rund 9000 Trachtler durch München zum Oktoberfest gezogen. Die Veranstaltung hat eine fast 200-jährige Tradition.Weitere Bilder anzeigen
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21.09.2012 17:04Bunte Trachten, Blaskapellen, Prachtkutschen - in einem farbenprächtigen Umzug sind rund 9000 Trachtler durch München zum...

Es gibt kein Entrinnen. Von Samstag an wird die häufigste Frage im Bekanntenkreis wieder lauten: „Und wards ihr scho auf der Wiesn?“ Zwei Wochen lang hat das Oktoberfest dann die Stadt München wieder voll im Griff, bis zum Abschluss am 7. Oktober. Die Einheimischen haben ein zwiespältiges Verhältnis zu dem als weltweit größtes Volksfest ausgerufenen Treiben im Angesicht der Bavaria-Statue auf der Theresienwiese. Es reicht von Staunen und Schaudern angesichts der einfallenden Touristenmassen bis hin zum verzehrenden Bedürfnis, selbst auch wieder mit dabei zu sein, wenn die Olympia-Achterbahn ihre Loopings fährt und im Bierzelt das „Fliegerlied“ aufgespielt wird, bei dem die Besucher den simplen Refrain lautstark mitgrölen.

Am Samstag um zwölf Uhr geht es beim Fassanstich für den Oberbürgermeister Christian Ude um noch mehr als in den vergangenen 17 Jahren seiner Amtszeit. Der SPD-Politiker zapft nun als Herausforderer von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) an, dem er auch traditionell die erste Maß reichen wird. Da sollte es Ude schon wie bisher auch routiniert schaffen, das Fass mit zwei gezielten Schlägen anzuzapfen und dann sein „O’zapft is!“ in die Menge zu brüllen. Das Grummeln der Bevölkerung zieht derweil der neue Wiesn-Chef Dieter Reiter auf sich. Der Leiter des städtischen Wirtschaftsreferates und potenzielle Ude-Nachfolger will nämlich beim Festumzug durch die Stadt in der ersten Kutsche gleich hinter dem Münchner Kindl fahren – und damit noch vor Ude.

Unglaublich. Über solche Oktoberfest-Themen können die Münchner ausgiebig diskutieren. Es gibt viele Debatten. Die meisten sind nicht neu, und weil sie nicht neu sind und trotzdem immer wieder angefacht werden, sagt das etwas aus über das Verhältnis der Münchner zur Wiesn. Da wird wieder die gnadenlose Kommerzialisierung und Abzocke angeprangert. Der traditionelle „Verein gegen betrügerisches Einschenken“ misst nach, dass mancher Krug mit deutlich weniger als einem Liter Bier gefüllt ist. Immerhin: Bis zu 0,85 Liter gelten als noch tolerabel. Ist noch weniger drin, dann ist es Betrug.

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