Oldenburg : Mithäftling zieht im Holzklotz-Prozess frühere Aussagen zurück

Im Mordprozess um den tödlichen Wurf eines Holzklotzes von einer Autobahnbrücke sind am Freitag drei Mithäftlinge aus der Untersuchungshaft des Angeklagten vor dem Oldenburger Landgericht gehört worden. Zwei Männer verweigerten aber die Aussage - aus Angst um ihre Sicherheit.

Oldenburg Alle drei waren nach Angaben des Gerichts selbst auf die Ermittler zugekommen und hatten um eine Zeugenaussage gebeten. Zwei der Männer verweigerten vor Gericht jedoch ihre Aussage mit der Begründung, sie hätten Angst um ihre Sicherheit.

Der dritte Mithäftling hatte bei einer früheren Vernehmung ausgesagt, dass der Angeklagte ihm die Tat gestanden habe. Vor Gericht wollte der 37-Jährige diese Angaben nicht wiederholen. Stattdessen gab er an, dass der 30-jährige Angeklagte Nikolai H. ihm lediglich gesagt habe, dass ihm die Familie leidtue, dass er sein Geständnis widerrufen habe und dass er zum Zeitpunkt des Geständnisses bei der Polizei in schlechter psychischer Verfassung gewesen sei. Diese Aussagen habe der Angeklagte nicht in einen Zusammenhang gestellt, betonte der Mithäftling vor Gericht.

Gericht: Angst um eigene Gesundheit kein Grund

Zur Begründung seiner widersprüchlichen Aussagen gab der Mann an, dass er sich mit der ersten Aussage einen persönlichen Vorteil versprochen habe. Er habe zu dem Zeitpunkt vor seiner eigenen Berufungsverhandlung gestanden.

Das Gericht akzeptierte die Aussageverweigerung der beiden anderen Mithäftlinge nicht. Angst um die eigene Gesundheit sei kein ausreichender Grund dafür, sagte der Vorsitzende Richter. Es handle sich um eine "unberechtigte Verweigerung des Zeugnisses". Er kündigte an, sich darum kümmern zu wollen, dass die Mithäftlinge sich künftig sicher fühlen könnten. Dann werde man sie erneut anhören.

Der sogenannte Holzklotz-Prozess beschäftigt die Justiz bereits seit Anfang November. Der Angeklagte soll am Ostersonntag 2008 einen sechs Kilogramm schweren Holzklotz von einer Brücke der Autobahn 29 bei Oldenburg geworfen haben. Der Klotz durchschlug die Windschutzscheibe eines Autos, in dem eine vierköpfige Familie aus dem nordrhein-westfälischen Warendorf saß, und traf die Beifahrerin. Die 33-jährige Mutter starb noch am Unfallort. (saw/ddp)

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