Olympia-Eröffnungsfeier : Chinesische Fälschung

Die neunjährige Lin Miaoke rührte Millionen bei der Olympia-Eröffnung. Sie bewegte aber nur die Lippen. Dem "eigentlichen" Mädchen mit der schönen Stimme wurde der Auftritt verwehrt.

Harald Maass[Peking]
Peiyi
Yang Peiyi war Funktionären zu hässlich. -Foto: AFP

Ihr Auftritt bewegte Millionen. Als die neunjährige Lin Miaoke bei der OlympiaEröffnungszeremonie im roten Kleid auf der Bühne stand und das Revolutionslied „Ode an das Vaterland“ sang, waren viele der Zuschauer zu Tränen gerührt. Chinas Staatsmedien priesen Lin als „kommenden Star“. Doch jetzt hat ein verantwortlicher Musikdirektor zugegeben: Der Auftritt, bei dem Lin nur die Lippen bewegte, war eine Fälschung. Die wirkliche Sängerin, ein siebenjähriges Mädchen, sei den KP-Funktionären zu hässlich gewesen.

„Wir wollten das richtige Image verbreiten und wir haben berücksichtigt, was am besten für unsere Nation ist“, erklärte Musikdirektor Chen Qigang dem Staatssender CCTV, was von der Internetinitiative „China Digital Times" mitgeschnitten wurde. Die eigentliche Sängerin des Liedes, Yang Peiyi, habe ein zu volles Gesicht und unregelmäßige Zähne, sagte Chen. Deshalb habe man die bildhübsche Lin Miaoke ausgewählt, um auf der Bühne zu Yangs Stimme die Lippen zu bewegen. Die Entscheidung, Yang zu ersetzen sei erst „in letzter Minute“ getroffen worden, wie Chen berichtete. Ein ranghoher KP-Funktionär habe bei einer Probe darauf hingewiesen, dass Yang nicht hübsch genug sei und dieses „Problem gelöst werden“ müsse. Der Chefchoreograf und Regiestar Zhang Yimou habe sich deshalb für die Lippensynchronisation entschieden. Chinas Staatsmedien durften bis Dienstagabend nicht über die Fälschung berichten. Chinesische Blogger und Internetnutzer kritisierten den Vorgang. „Das ist eine Beleidigung der wirklichen Sängerin und aller Menschen, die zugehört haben", schrieb ein Internetnutzer auf der Webseite Netease. Ein anderer entrüstete sich: „Erwachsene mögen lügen. Aber lasst wenigstens die Kinder da raus“.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass auch einige der spektakulären Bilder vom Feuerwerk in Wirklichkeit aufgezeichnet und zum Teil nur Computergrafiken waren. Dabei handelte es sich vor allem um die Aufnahmen der 29 „Fußstapfen“, die als Feuerwerke am Himmel auf das Stadion zuführten. Die Aufnahmen seien „zur Erleichterung der Arbeit“ im Voraus produziert worden, gab der Generalsekretär des Pekinger Olympia-Komitees Wang Wei zu.

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