Online-Überwachung : Die tiefere Bedeutung des Staatstrojaner-Passworts

Der Entwickler des umstrittenen Staatstrojaners outet sich als Fan von George Lucas’ „Star Wars“. Als Passwort hat er rätselhafte Buchstaben- und Ziffernfolgen gewählt. Was haben sie zu bedeuten?

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Dem Chaos Computer Club (CCC) ist nach eigenen Angaben diese «staatliche Spionagesoftware» zugespielt worden, die von Ermittlern in Deutschland zur Überwachung von Telekommunikations-Verbindungen eingesetzt wird.
Dem Chaos Computer Club (CCC) ist nach eigenen Angaben diese «staatliche Spionagesoftware» zugespielt worden, die von Ermittlern...Foto: dpa

Im Kampf Gut gegen Böse, wie er zu jedem guten alten Märchen gehört, ist nicht immer klar, wer sich auf welcher Seite befindet und wer sich selber auf welcher Seite sieht. Die legendäre „StarWars“-Saga von George Lucas, von der bisher sechs der insgesamt neun ursprünglich geplanten Teile ins Kino gekommen sind, zeigt das Verwirrspiel um Gute und Böse wie kaum ein anderes Märchen. Der Entwickler des sogenannten „Staatstrojaners“, über den derzeit so viel diskutiert wird, hat sich als Fan der „StarWars“-Saga geoutet, genauer: als Fan jener Roboterfiguren, die unermüdlich gegen das Böse kämpfen, gegen die „dunkle Seite der Macht“.

In der gegenwärtigen Diskussion dagegen steht der „Staatstrojaner“ gewissermaßen auf der „dunklen Seite der Macht“, die rücksichtslos in die Privatsphäre des Menschen eindringen will. Sieht sich der Entwickler etwa auf der Seite des Guten? Er, dessen Spionagesoftware in den Computern der Bürger nach Verdächtigem fahndet, hat als Passwort zu dem Trojaner folgende rätselhafte Buchstaben- und Ziffernfolge gewählt:

C3PO-r2d2-POE

Kenner der „Star-Wars“-Saga erkennen sofort, worum es sich dabei handelt. C3PO – der schwule Roboter. Die sexuelle Orientierung dieses vermenschlichten Roboters erschließt sich nur für Amerikaner. Seine Stimme stammt von einem englischen Schauspieler. Wenn im amerikanischen Kino ein Mann in englischem Tonfall spricht, wird die Figur – wie beabsichtigt – als schwul betrachtet. Aber die sexuelle Orientierung ist nicht das Entscheidende. C3PO ist ein Droide, der für Fragen des Protokolls programmiert wurde. Das ist wichtig, damit die Kommunikation zwischen Lebewesen aus unterschiedlichen Galaxien besser funktioniert und nicht an versehentlichen Beleidigungen scheitert.

Er ist gewissermaßen der Diplomat, er spricht nahezu alle Sprachen des Universums. Er bekam eine gold-metallisch glänzende Außenhaut in Form eines Menschen. Er quasselt dauernd, um Frieden zwischen den Kontrahenten herzustellen, geht ihnen mit seiner übertriebenen Höflichkeit und Harmoniesucht aber ziemlich auf die Nerven.

r2d2 – der Unverwüstliche

Dieser Roboter ist ein Mechaniker. Er spricht sich „err-zwo – dee-zwo“ aus und ist der wichtigste Begleiter der Rebellen-Allianz. Er kann Raumschiffe während des Kampfs reparieren und alle Codes knacken. Er ist 0,96 Meter groß, macht sich durch Pfeiftöne bemerkbar und ist ein unzertrennlicher Freund von C3PO. Im dritten Teil der Saga nahm r2d2 in Anakins Raumjäger am Klonkrieg teil. Das Pfeifen, das von C3PO übersetzt wird, wird von dem Sounddesigner Ben Burtt stimmlich erzeugt, seine Geräusche stammen von dem Sythesizer „ARP – 2600“.

POE – der Harte

Auch er ist ein Protokoll-Droide. Er gehört aber der „robusten Schwadron“ der guten Rebellen-Allianz an, die für die ganz harten Einsätze zuständig ist und am Ende den Todesstern von Darth Vader zerstört und die dunkle Seite der Macht vernichtet. POE ist eher eine Nebenfigur, aber ungemein wichtig für den Kampf um den Sieg.

Wofür der Staatstrojaner steht

Wenn sich der Entwickler des Staatstrojaners dieser Symbolik bedient, dann geht er offenbar davon aus, dass er auf Seiten des Guten gegen das Böse kämpft. Dagegen glaubt alle Welt, der Staatstrojaner verkörpere die dunkle Seite der Macht. Star-Wars-Fans haben sich immer gefragt, wie die letzte Trilogie, die noch nicht gedreht wurde, weitergehen soll, nachdem das Böse besiegt ist. Eigentlich müsste Luke Skywalker als der gute Held sich moralisch korrumpieren lassen und auf die dunkle Seite der Macht wechseln. Gut und Böse wechseln sich immer ab. Vielleicht weiß ja der Entwickler des Staatstrojaners, wie die Saga weitergeht. Vielleicht hat er den Computer von George Lucas ausspioniert und weiß jetzt, wie wichtig eines Tages ein starker Staat ist, der seine Bürger lückenlos kontrolliert, um das Böse rechtzeitig bekämpfen zu können. Jetzt hilft nur Warten. Auf George Lucas’ letzten Wurf. Dann wissen wir möglicherweise, wozu alles gut ist. Möge die Macht mit ihm sein.

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