Welt : Operation Oberweite

Barbies Kurven kommen unters Messer NEW YORK (dpa).Nach zwanzig Jahren als strahlende Blondine mit Wunderbusen und Wespentaille soll Barbie jetzt auf Normalmaß gestutzt werden.Die Herstellerfirma Mattel hat der Plastikfrau im Alter von 38 Jahren eine Schönheitskorrektur verschrieben.Das Unternehmen bestätigte am Montag die Umgestaltung, die die Zeitung "Wall Street Journal" auf ihrer Titelseite enthüllt hatte. Im Zeitalter von Body Piercing und den Spice Girls wird dem Idol aller kleinen Mädchen der legendäre Busen verkleinert, die Hüfte schmaler gemacht und die Taille verbreitert.Auch das platinblonde Haar gehört schon bald der glamourösen Vergangenheit an.Das Superpüppchen wird eine Brünette mit goldenen Strähnen.Aus der Diva wird das Mädchen von nebenan. Offiziell vorstellen will Mattel die neue Barbie im Januar auf der Spielzeugmesse in New York City.Auch wenn die genauen Maße des 90er-Jahre-Modells noch streng geheim sind: Jean McKenzie, Kopf der Barbie-Abteilung, bestätigt die Eingriffe am sagenumwobenen Körper der Puppe: "Ihr Profil wird weniger abgehackt sein".Die Kurven der Bestseller-Puppe trotzten bislang der Schwerkraft und den Gegebenheiten der menschlichen Anatomie.Eine zu Fleisch gewordene Barbie würde mit den Maßen 101 - 48 - 90 sofort das Gleichgewicht verlieren und vorne überfallen, rechneten Statiker aus. Seit Jahrzehnten standen die Traummaße der Puppe in der Kritik feministischer Organisationen.Kleinen Mädchen werde mit einem unerreichbaren Idol der Kopf verdreht, beklagte sich zum Beispiel Joann Lipford-Sanders auf einer Barbie-Konferenz an der State University of New York.Mattel behauptet, nicht die Entrüstungsschreie derer, die Barbie als Symbol amerikanischen Körperfanatismus verteufeln, sondern Verkaufsstrategien hätten nun den Imagewandel bewirkt.Kinder von heute bevorzugten Figuren, die dem heutigen Leben in ihrem Aussehen näher sind. Mit breiterem Becken und flacherer Brust ausstaffiert, kann Barbie jetzt zum erstenmal auch in zeitgemäßer Kleidung wie Jeans, die auf der Hüfte sitzen, glaubwürdig auftreten.Um ernst genommen zu werden, wird Barbie auch das ewige Lächeln abgewöhnt.Die Lippen bleiben geschlossen, die Nase ist feiner und das Make-up ist beim Nachfolgetyp dezenter.1959 mit einem Gesicht à la Doris Day vorgestellt, wurde Barbie 1977 ihre jetzige Physiognomie verpaßt. Barbies jeweiliger Augenaufschlag spricht Bände über das Bild der Frau in der Gesellschaft.Puppe Nummer eins senkte unter toupiertem Pony verführerisch die Lider und setzte einen Schmollmund auf.Den Seitenblick beschreibt M.G.Lord in ihrem Buch "Forever Barbie" als "abgewandt unterwürfiges Starren, charakteristisch für die Aktzeichnungen von der Renaissance bis zum 19.Jahrhundert".1967, inmitten der sexuellen Revolution, kam der erste Befreiungsschlag. Verjüngt, versehen mit einem offeneren Gesicht und Wimpern, schauten die Augen damals forsch geradeaus.Zehn Jahre später symbolisierte die Gefährtin aller Teenagerinnen mit Zahnpasta-Lächeln und strahlenden Augen dann das gehobene Selbstbewußtsein der berufstätigen, modernen Frau, sagen Soziologen. Zwanzig Jahre später wird das Idol vom Fließband nun wieder dem Zeitgeist des ausgehenden Jahrhunderts angenähert.Natürlicher soll sie wirken, wünscht sich Mattel."Die Kids sagen uns, sie freuen sich über alles, was nicht Pink oder Prinzessinnen oder Glamour verherrlicht", sagt Jean McKenzie von Mattel.Eine Milliarde Barbie-Puppen haben die Kinderzimmer dieser Welt bevölkert.Noch immer wird alle zwei Sekunden eine der Superpuppen verkauft.

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