Welt : Optische Wahrnehmung: Im Dunkeln hat die Kröte Adleraugen

mrv

Biene: Würde eine Biene ins Kino gehen, wäre sie vermutlich enttäuscht: Was sich dem Menschen als Actionfilm präsentiert, nimmt sie als langweilige Diashow wahr. Denn viele Insekten können bis zu 300 Einzelbilder pro Sekunde erkennen, während das menschliche Auge maximal 50 Bilder schafft. Eine höhere Bildfrequenz verschmilzt für uns zu einem einheitlichen Seheindruck. Auch äußerlich unterscheidet sich das Bienenauge von dem eines Menschen: Das Facettenauge der Insekten besteht aus vielen Einzelaugen. Bienen sehen daher ein Bild, das sich mosaikartig aus so vielen Bildpunkten zusammensetzt, wie es Einzelaugen gibt. Außerdem ist das Farbspektrum der Biene vom längerwelligen in den kurzwelligen Bereich verschoben. Rote Blumen erscheinen der Honigsammlerin grau. Dafür kann sie auf Blüten ultraviolette Zeichnungen erkennen, die für uns unsichtbar sind. Als weitere Besonderheit nutzt die Biene das Licht auch noch als Kompass. Mit ihren Facettenaugen kann sie die Schwingungsebene polarisierten Lichtes wahrnehmen. Da diese vom Stand der Sonne abhängt, können sich die fleißigen Sammlerinnen am Sonnenstand orientieren, selbst wenn der Himmel bewölkt ist.

Adler: Wenn der Mensch mit zusammengekniffenen Augen zum Fernglas greift, kann ein Adler noch mit bloßem Auge scharf sehen. Das liegt daran, dass der Greifvogel größere Augen hat. Das Auflösungsvermögen der Wirbeltieraugen, also die Fähigkeit zwei dicht beisammen liegende Punkte getrennt zu sehen, hängt von Anzahl und Größe der Photorezeptoren in der Netzhaut ab. Da diese bei Mensch und Adler etwa gleich sind, kann eine höhere Sehschärfe nur durch ein größeres Bild auf der Netzhaut erreicht werden. Mit einem Augendurchmesser von 24 Millimeter entsteht auf der Retina des Menschen ein 0,29 Millimeter großes Bild. Im Adlerauge ist die Abbildung mit 0,43 Millimeter deutlich größer, weil die Augenachse 12 Millimeter länger ist. Damit erreicht der Adler das physikalisch mögliche Maximum; seine Sehschärfe ist im gesamten Tierreich unschlagbar.

Hund: Die samtigen Hundeaugen verschaffen den Vierbeinern zwar einen Platz im Herzen des Herrchens, sorgen aber nicht für Durchblick. Die Sehschärfe erreicht gerade mal ein Viertel der eines Menschen und auch die Farbwahrnehmung ist stark eingeschränkt. Hunde können Grün und Grau und Orange und Rot nicht unterscheiden. Das Licht an Ampeln müssen sie daher anhand der Position einschätzen. Dafür verfügen sie aber über ein weiteres Gesichtsfeld und können in der Dämmerung besser sehen als wir. Das liegt daran, dass die Netzhaut des Hundeauges mehr Stäbchen als Zapfen enthält. Die Stäbchen sind zwar lichtempfindlicher, registrieren aber nur Grautöne.

Kröte: Das Krötenauge ist das lichtempfindlichste aller Landwirbeltiere. In der Dämmerung können diese plumpen Froschlurche zehnmal besser sehen als wir. Der Grund ist ihre geringe Körpertemperatur. Bei der Lichtwahrnehmung verändern sich Pigmentmoleküle in den Photorezeptoren der Netzhaut und erzeugen ein Signal. Ein kleiner Teil der Moleküle zerfällt jedoch auch ständig spontan durch Wärme und bildet so ein Grundrauschen. Hat ein Mensch Fieber, so nimmt sein Sehvermögen in der Dämmerung ab, da das thermische Grundrauschen zunimmt. Kröten können schon bei zehn Grad Körpertemperatur jagen. Das thermische Rauschen liegt damit etwa zehnfach niedriger als beim Menschen und die Lichtempfindlichkeit der Augen steigt etwa um den gleichen Betrag.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben