Orkantief : Neun Tote durch "Emma"

In Deutschland hat Sturmtief "Emma" drei Menschen das Leben gekostet. Auch in den Nachbarländern Tschechien und Österreich starben Menschen. Inzwischen ist die Lage wieder entspannter. "Kyrill" richtete vor einem Jahr mehr Schaden an.

Emma
Der Hamburger Fischmarkt unter Wasser. -Foto: dpa

BerlinMindestens neun Tote, viele Verletzte und Millionenschäden - das ist die vorläufige Bilanz des Orkantiefs "Emma“. Allerdings waren die Verwüstungen, die der heftige Sturm am Samstag in Deutschland und anderen europäischen Ländern anrichtete, bei weitem nicht so schlimm wie die nach dem Orkan "Kyrill" vor einem Jahr.

"Emma" deckte Häuser ab, riss Bauzäune oder Schilder heraus, machte Straßen unpassierbar, führte zu Stromausfällen und an der Nordsee zu Sturmfluten. In Süddeutschland gab es zudem am Samstag, dem meteorologischem Frühlingsanfang, heftige Hagelschauer, Schnee, Gewitter und Überschwemmungen. Vielerorts erreichte "Emma" Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 Kilometern pro Stunde. Den Rekordwert registrierte der Wetterdienst Meteomedia mit 222 km/h auf dem 1838 Meter hohen Wendelstein in den Bayerischen Alpen. Auch am Sonntag soll es noch kräftig stürmen.

Zwei Tote Deutsche in Österreich

Mindestens drei Menschen fielen dem Orkan in Deutschland zum Opfer, zwei starben in Tschechien, vier in Österreich. Darunter waren nach Angaben der österreichischen Polizei zwei deutsche Urlauber. Bei Wissen im Westerwald (Rheinland-Pfalz) wurde ein 58 Jahre alter Mann in einem Auto von einer Fichte erschlagen. Bei Oberpfaffenhofen (Bayern) erfasste eine Böe einen 72 Jahre alten Motorrollerfahrer und drückte ihn in den Gegenverkehr. In Sachsen kam eine 68-jährige Beifahrerin bei einem Autounfall in der Nähe von Freiberg ums Leben. Dort hatte die von "Emma" herangewehte Kaltfront zu plötzlicher Schneeglätte geführt.

"Wir haben großes Glück gehabt, dass der Sturm auf einen Samstagmorgen fiel", sagte Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. An einem normalen Arbeitstag wären mehr Menschen unterwegs gewesen. In Tirol starb nach Angaben der Nachrichtenagentur APA ein 77 Jahre alter deutscher Tourist, als ein Baum auf sein Auto krachte. Ebenfalls in Tirol kam auf einem Campingplatz ein 69-Jähriger aus dem Raum Friedrichshafen ums Leben. Eine Windböe hatte den Urlauber und seine Frau unter dem eigenen Wohnwagen begraben. Die Frau kam ins Krankenhaus. In einem Cabrio starb eine Frau in St. Pölten (Niederösterreich), als ein Baum das Auto zerschmetterte. Im Bundesland Salzburg wurde ein Urlauber - vermutlich ein Brite aus Manchester - in einem Taxi von einem herabstürzenden Felsbrocken getötet. Auch dieses Unglück soll eine Folge des Sturms sein.

Nicht so großflächig wie "Kyrill"

Mehrere 10.000 Haushalte waren in Österreich ohne Strom. In Tschechien forderte "Emma" zwei Menschenleben. Nach Angaben der Nachrichtenagentur CTK wurden ein Mann und ein elfjähriges Mädchen von herumfliegenden Gegenständen getötet. In Südböhmen waren tausende Haushalte ohne Strom, berichtete Radio Prag. Das Geschehen sei teilweise „dramatisch“ gewesen, sagte Jörg Kachelmann vom Wetterdienst Meteomedia. "Emma" sei aber "nicht so großflächig wie 'Kyrill'". Der Orkan hatte im Januar 2007 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 202 Kilometern pro Stunde eine Schneise der Verwüstung durch Europa geschlagen. 47 Menschen starben, 11 davon in Deutschland.

Ein Reisebus mit Touristen kippte am Samstag auf dem Weg zum Münchner Flughafen in eine Böschung. Sechs Insassen wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Beim Aufprall eines ICE-Zuges auf einen Baum in Brühl bei Bonn wurde der Zugführer verletzt. In Bayern, Nordrhein- Westfalen, Thüringen, Hessen und Sachsen gab es durch abgeknickte Bäume Störungen und Streckensperrungen im Zugverkehr, teilte die Deutsche Bahn mit. In Hamburg stand der Fischmarkt unter Wasser, die Flutschutztore wurden geschlossen. Für den Abend erwarteten die Experten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) für die Hansestadt eine Sturmflut mit Wasserständen von 2,50 bis 3,00 Metern über dem mittleren Hochwasser. Wie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mitteilte, waren Borkum und Emden von einer schweren Sturmflut betroffen.

In Emden lag der Höchstwert am Samstagnachmittag bei 2,63 Meter und damit knapp einen Meter unter dem Pegel bei der Allerheiligenflut 2006. Auf den ostfriesischen Inseln lief das Wasser knapp zwei Meter über dem mittleren Tidehochwasser auf. Auch in Bayern waren am Samstag Polizei und Feuerwehr im Dauereinsatz. Umgekippte Bäume, herumfliegende Gegenstände und Hagel behinderten den Verkehr auf Bundesstraßen und Autobahnen. Zwischen München und Salzburg wurde der Bahnverkehr eingestellt. Im Ort Osterhofen-Altenmarkt knickte die Spitze eines Kirchturms ab. Von Millionenschäden sprach die Polizei im Landkreis Schweinfurt. Der Damen-Slalom beim alpinen Ski-Weltcup im Bayerischen Wald wurde abgesagt. In Franken und der Oberpfalz traten nach starken Regenfällen Flüsse über die Ufer.

Beim Einsturz eines Zeltes in Balderschwang im Oberallgäu wurden elf Menschen verletzt, darunter vier Kinder. Das Zelt war errichtet worden, um dort während eines Skirennens die Zeit zu messen, teilte die Polizei in Kempten mit. In Teilen Baden-Württembergs hagelte es so heftig, dass der Streudienst anrücken musste. „Man konnte nicht mehr fahren“, sagte ein Polizeisprecher. Am Frankfurter Flughafen fielen rund 90 Flüge aus. In Südhessen löste das Unwetter zwei Erdrutsche aus. In Offenbach deckte ein Tornado Dächer ab. Entwurzelte Bäume kappten in mehreren Bundesländern die Stromleitungen - allein in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen waren zeitweise 16.000 Haushalte betroffen. In Berlin rief die Feuerwehr den Ausnahmezustand aus, als sich am Abend die Notrufe häuften. Aus Sorge vor einem zweiten Orkan „Kyrill“ waren bereits am Freitag Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Das für Samstag geplante Bundesligaspiel des FC Energie Cottbus gegen den VfB Stuttgart wurde abgesagt. Die Stadtwette der Samstagabendshow "Wetten, dass..?" in Halle an der Saale musste von der Innenstadt auf das Messegelände verlegt werden. (ps/dpa)

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