Oscar-Verleihung : Sogar am Botox wird gespart

In der Nacht zu Montag werden die Oscars vergeben – und alle spekulieren.

Hollywood - Wie schafft es das sensible Hollywood, die Oscar-Verleihung so zu gestalten, dass sie angesichts des gefühlten und realen Krisenelends nicht zu protzig und zu glamourös wirkt? Dabei geht es aber nicht nur um sensible Intonierung, sondern auch um fehlendes Geld. Die Krise hat Hollywood nicht verschont. Gespart wird in diesem Jahr an allem, an Partys, Werbung, Botox.

Die alljährlichen Oscar-Galas in der Glitzerhauptstadt Hollywood waren nie eine Übung in Bescheidenheit, und auch bei der Preisverleihung in der Nacht zu Montag werden Prunk und eitle Selbstdarstellung gewiss wieder ihren Platz haben. Doch dürfte nicht alles so sein, wie es immer war. Alles eine Nummer kleiner – so sieht Ausschweifung in Zeiten der Krise aus.

Erstmals wird die Gala von Regisseur Bill Condon und Produzent Laurence Mark gestaltet, die das Musical „Dreamgirls“ auf die Leinwand gebracht haben. Bereits bekannt wurde, dass das Kodak Theatre einem schummrigen Nachtclub nachempfunden werden soll und die Bühne näher an das Publikum heranrückt.

„Die Filmstudios fahren in diesem Jahr einen strengen Sparkurs“, berichtet die alteingesessene Eventveranstalterin Chris Benarrock aus Los Angeles. „Es gab eine große Entlassungswelle, das wird sich auch in den Galas niederschlagen.“ Normalerweise begleiten rauschende Partys von Studios, Filmverleihen und Verlagen die Oscar-Verleihung. „In diesem Jahr laden Filmstudios mit einer Oscar-Nominierung eher klein und exklusiv ins Restaurant ein und nicht zu Riesenpartys mit 500 Leuten“, sagt die Partyplanerin.

Ein verlässlicher Gradmesser für die Befindlichkeit Hollywoods sind die Schönheitschirurgen, deren Geschäft in der körperfixierten Filmstadt vor der Oscar-Gala regelmäßig einen Boom erlebt. Nicht so in diesem Jahr, sagt der Praxisinhaber Anthony Griffin aus Beverly Hills: „Die ganze Stadt scheint an Oscar-bezogenen Ausgaben zu sparen, das betrifft auch Schönheitsbehandlungen.“

Die Branche muss den Gürtel enger schnallen – auch wenn der Gürtel von Dior oder Chanel stammt. Der Zufall will es, dass der heißeste Favorit für den Haupt-Oscar als bester Film der britische Indienstreifen „Slumdog Millionaire“ ist, der mit einem Drehbudget von 15 Millionen Dollar geradezu als Billigproduktion gelten kann. Sein schärfster Konkurrent „Benjamin Button“ kostete das Zehnfache.

Die Pechsträhnen von Kate Winslet und Mickey Rourke sollen in der Nacht zu Montag offiziell enden. Die Britin hofft nach fünf erfolglosen Nominierungen mit „Der Vorleser“ endlich auf ihren ersten Academy Award. Rourke kehrt nach privatem und beruflichem Absturz mit seinem gefeierten Porträt als „The Wrestler“ in den Schoß Hollywoods zurück. Während Winslets Triumph fast schon als sicher gilt, könnte Rourke noch sein Kollege Sean Penn mit dem Film „Milk“ gefährlich werden.

Beruflich geschadet hat Winslet die seit 1996 andauernde Oscar-Pechsträhne zwar nicht. Für die Darstellung einer ehemaligen KZ-Aufseherin in der Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman hat die Britin nach eigener Sicht aber mehr verdient. „Ich war fünfmal nominiert. Jetzt muss das Ding gerechterweise her“, hat sie wiederholt gefordert.

Aber seit wann geht es bei den Oscars gerecht zu?

Angesichts der aktuellen Gewalt im Gazastreifen dürfte der von Berlinern produzierte animierte Dokumentarfilm „Waltz With Bashir“ den Auslands-Oscar gewinnen.

Weniger hoffnungsvoll sieht es trotz international guter Kritiken für den deutschen RAF-Film „Der Baader-Meinhof- Komplex“ aus. Aber einen Trost gibt es immerhin für Martina Gedeck. Sie darf diesmal mit nach Hollywood. Vor zwei Jahren war mit „Das Leben der Anderen“ schon einmal ein Film mit Martina Gedeck für einen Oscar nominiert und hat ihn auch bekommen. Doch damals nahm sie der Regisseur Florian Graf Henckel von Donnersmarck nicht mit nach Hollywood, was sie sehr frustrierte.

Das soll dieses Jahr mit dem „Baader- Meinhof-Komplex“ anders werden, wie Gedeck dpa erzählte. Der Produzent Bernd Eichinger habe ihr sehr früh gesagt, dass sie mitkomme. Tsp/AFP/ddp/dpa

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