Welt : Oscarverdächtig: Die Qualen des Tom Hanks

Zusrets nahm er 20 Kilo zu, um den ersten Teil des Films drehen zu können, dann nahm er 30 Kilogramm ab, um die eigentliche schauspielerische Leistung zu vollbringen - Tom Hanks hat nach einhelliger Meinung der Filmbranche große Chancen, für seine Robinsonade in dem Film "Verschollen" einen Oscar zu bekommen. Es wäre sein dritter nach "Forrest Gump" und "Philadelphia".

Während Hanks für ein halbes Jahr die Dreharbeiten zum Abspecken unterbrach, drehte Regisseur Zemeckis, der schon in "Forrst Gump" erfolgreich mit Hanks zusammenarbeitete, den Gruselfilm "Schatten der Wahrheit" mit Michelle Pfeiffer.

Wie schaffte Hanks die Abmagerungskur? Er habe meist Hühnchenbrust gegessen, Reis und Salate, sagte er in einem Interview. Aber meistens sehr kleine Portionen.

Am Donnerstag läuft der Film in Deutschland an, nachdem er in den USA euphorische Kritiken geerntet hatte. Das Robinson-Thema bewegt noch immer: Tom Hanks brilliert in seiner Rolle des Chuck Noland, Manager des US-Logistikunternehmens FedEx, der nach einem Flugzeugabsturz vier Jahre lang auf einer einsamen Insel ums nackte Überleben kämpfen muss - in ständiger Hoffnung auf Rettung.

Chuck Noland ist bis zu seinem Unglück der zeitgemäße Mensch von heute: Hektisch, pragmatisch und in aller Welt durch Handy, Internet und Beeper erreichbar. Sein Job ist es, die Zustellwege von FedEx zu optimieren und Mitarbeiter in aller Welt zu motivieren. Die Beziehung zu seiner Freundin (nett: Helen Hunt) findet meist nur über Telefonleitungen statt. Treffen werden grundsätzlich per Terminkalender geregelt. Zemeckis stellt mit dem Film die Frage, wie sich ein Mensch, der mit und von der Kommunikation lebt, verhält, wenn er sich in vollkommener Einsamkeit befindet. Hatte Robinson Crusoe noch einen Papagei und allerhand nützliches Equipment zur Verfügung und traf sogar auf einige Kannibalen, hat Chuck Noland nichts. Nur seine eigene Kraft und ein halbes Dutzend angespülter FedEx Pakete aus dem abgestürzten Transportflugzeug. Doch in den Paketen findet sich kein Akkubohrschrauber oder Taschenmesser. Noland muss mit Schlittschuhen, einem Abendkleid und einem Volleyball der Marke Wilson vorlieb nehmen. So wird ein rundes Stück Kunstleder zu Chucks bestem Freund und Fetisch.

Der Ball und eine altmodische Taschenuhr, die ihm seine Freundin kurz vor dem Abflug geschenkt hatte, halten Chuck am Leben, geben ihm Hoffnung. Er wird tatsächlich gerettet. Doch ist er fremd geworden in der Zivilisation, obwohl er in der Einsamkeit zu sich selbst gefunden hat. Seine Freundin hat einen anderen geheiratet.

Allein die Dreharbeiten zu "Verschollen" waren spektakulär. Drehbuchautor William Broyles, Jr. probte sich zuvor im Selbstversuch und ließ sich im Südpazifik auf einer einsamen Insel aussetzen. Tom Hanks kapselte sich in einer achtmonatigen Drehpause fast vollständig ab und übte beim Abmagern jenen entsagungsvollen Blick, der ihm wahrscheinlich wieder einen Oscar einbringen wird.

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