Oscarverleihung : Schulterfrei und unschuldsweiß

Hollywood goes Las Vegas: Der Aufmarsch auf dem roten Teppich wirkte zeitweise wie eine Massenhochzeit.

Vielleicht hätte man die Oscarverleihung in diesem Jahr von Hollywood nach Las Vegas verlegen sollen: Es gab so viele weiße, creme-, und champagnerfarbene Roben zu sehen, dass man sich unwillkürlich nach den blumenstreuenden Kindern umschaute. Die Silhouette fiel bei Filmbräuten wie Anne Hathaway und Jennifer Aniston klassisch aus: schulterfrei, taillenbetont und bodenlang. Penelope Cruz – die als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde – trug eine Variante mit ausladendem Spitzen- und Tüllrock, der in einer Schleppe endete.

Und es gab noch eine modische Auffälligkeit: das Einträgerkleid. Die einseitig verrutschte Schulter sah nicht nur bei Kate Winslet merkwürdig aus. Ihre zwischen stahl- und asphaltgrau changierende Satinrobe mit schwarzer Spitze passte in ihrer Standfestigkeit zur toupierten Betonfriseur, die die Oscargewinnerin an diesem Abend trug. Sie wollte für den Fall der Fälle wohl wie eine wirklich reife Schauspielerin aussehen, und sah mit Oscarstatue in der Hand dann auch fast so staatstragend aus wie Evita Peron.

Für die Asymmetrie wie auch für den Unschuldsfarbton Weiß stand diesmal ein eindeutiges Vorbild: Präsidentengattin Michelle Obama trug auf dem Ball zur Inauguration ihres Mannes ein weißes, bodenlanges Kleid mit nur einem Träger – und setzte damit einen Trend.

Das Model Heidi Klum war wohl mit zwei fast zeitgleich stattfindenden Veranstaltungen durcheinandergekommen: In ihrem roten Satinkleid, das an merkwürdigen Körperstellen aufklappte, hätte sie gut auf einen Kölner Karnevalswagen gepasst. Sie sah aus wie ein Funkenmariechen auf Speed. Angelina Jolie beteiligte sich am Modezirkus einfach gar nicht und trug ein so klassisches, schwarzes Bustierkleid mit herzförmigen Ausschnitt, dass sie an eine andere amerikanische Stilikone erinnerte: an Mini Mouse.gth

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben