Welt : Ostdeutsche leben ungesünder

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Leipzig (dpa). Ostdeutsche fühlen sich nach Meinung des Leipziger Medizinpsychologen, Elmar Brähler, häufiger krank als Westdeutsche. Sie gehen aber aus Angst um ihren Arbeitsplatz seltener zum Arzt. „Gerade in den vergangenen Jahren hat das Klagen über das Befinden in den neuen Bundesländern erheblich zugenommen“, sagt der Leiter der Medizinischen Psychologie am Leipziger Universitätsklinikum. Trotzdem werde der Arzt gemieden, denn da sei die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren.

Nach der Wende, so die Erkenntnisse, hätten sich die Menschen in den neuen Bundesländern nicht so krank gefühlt. „Das war die erste Euphorie“, vermutet der Medizinpsychologe. Viele sehen wegen der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit und der schlechten wirtschaftlichen Lage ihre Zukunft immer düsterer. „Das schlägt auf die Gesundheit durch“, sagt Brähler.

Schon seit zehn Jahren beschäftigt sich der 56-Jährige mit Ost-West-Unterschieden im gesundheitlichen Befinden. Vor allem Klagen über Kopf- und Rückenschmerzen, Müdigkeit und Depressionen nähmen zu.

Allerdings dürfe das subjektive Gefühl nicht mit der objektiven Lage gleichgesetzt werden. „Die Lebenserwartungen in Ost- und Westdeutschland nähern sich an“, sagt Brähler. Ende der 80er Jahre hätten die Menschen in den alten Bundesländern im Durchschnitt noch drei Jahre länger gelebt als in den neuen. Heute gebe es da keine Unterschiede mehr.

Nach Einschätzung Brählers ist den Ostdeutschen dabei das westdeutsche Gesundheitssystem zugute gekommen. Eine bessere Lage am Arbeitsmarkt könnte auch das subjektive Wohlbefinden verbessern. „Es ist aber schwer, einem Heer von Arbeitslosen gesunde Ernährung zu predigen.“

Auffällig sei zudem, dass im Osten immer noch mehr Alkohol getrunken und geraucht werde als im Westen. Jeder sechste Mann zwischen 18 und 20 Jahren im Osten trinke übermäßig, wohingegen es im Westen nur jeder 20. Mann sei.

„Ostdeutsche treiben zudem weniger Sport und ernähren sich fetthaltiger“, sagte der Experte. Viele litten deshalb unter Bluthochdruck und Übergewicht.

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