Ostdeutsche sehnen sich oft zurück : Das Hin und Her an der Ex-Zonengrenze

Immer mehr Ostdeutsche, die im Westen arbeiten, sehnen sich nach ihrer alten Heimat. Wissenschaftler aus Leipzig haben aber auch ermittelt: Nur etwa jeder Zehnte ist bisher zurückgekehrt.

von
Alte Heimat, wenig attraktiv: Frankfurt (Oder) hat die schlechteste Rückkehrerquote Foto: dpa
Alte Heimat, wenig attraktiv: Frankfurt (Oder) hat die schlechteste RückkehrerquoteFoto: dpa

Es hört sich nach Erfolgsgeschichten an: Jeder zehnte Abwanderer aus dem Westen ist zurück in Ostdeutschland. Das ergibt sich aus einer Studie des Leipziger Leibniz-Instituts für Länderkunde, aus der die „Sächsische Zeitung" und „Zeit online“ am Donnerstag zitierten. Überraschendes Ergebnis: Die vor allem jungen Leute, die den Osten einst verließen, ziehen meist nicht in die Städte, sondern vor allem in die Provinz. „Am meisten überrascht hat uns, wie sehr die ländlichen Regionen profitieren“, sagte Robert Nadler, einer der Wissenschaftler.

Exakt liegt der Schnitt der Rückkehrer der Studie zufolge bei 9,6 Prozent, berücksichtigt wurden alle, die zwischen 1999 und 2010 ihre ostdeutsche Heimat verlassen haben. Wobei die regionalen Unterschiede außerordentlich groß sind: Beim Wanderungssaldo profitieren vor allem Gebiete an der früheren innerdeutschen Grenze. Das katholisch-konservativ geprägte Eichsfeld in Thüringen hat demnach mit 18,6 Prozent die höchste Rückkehrerquote, gefolgt vom Kreis Hildburghausen, dem Wartburgkreis und Sömmerda im selben Bundesland sowie Nordwestmecklenburg. In Sachsen gehört das Erzgebirge zu den Gewinnern. Ziemlich schlecht schneiden dagegen die größere Städte wie Jena, Suhl, Gera, Cottbus, Schwerin, Halle, Chemnitz, Görlitz und Rostock ab. Schlusslicht ist Frankfurt (Oder) – hierher sind der Studie zufolge nur 3,6 Prozent der Abwanderer heimgekehrt.

Auch viele Fachleute unter den Rückkehrern

Die Wissenschaftler berichten, dass unter den Rückkehrern auch viele Fachleute sind, zum Beispiel Ingenieure, Chemiker, Physiker oder Mathematiker. Viele seien bereit, in der alten Heimat sogar für ein geringeres Gehalt zu arbeiten. Allerdings haben gerade Ärzte oder Krankenschwestern, die im Osten besonders gebraucht sind, recht wenig Lust auf eine Rückkehr, ähnlich schlecht sieht es bei Kindergärtnern oder Lehrern aus. Die Studie belegt auch: Der übergroße Teil der Ostdeutschen, die einmal ihre Heimat verlassen haben, ist nach wie vor weg. Und weite Landstriche schrumpfen dramatisch weiter, das betrifft etwa Sachsen-Anhalt: Nur zwei Regionen in Bulgarien sowie je eine in Litauen und Lettland verloren im Vergleichszeitraum noch mehr Menschen.

Linken-Politiker wünscht sich das Ost-West-Studien überflüssig werden

Dietmar Bartsch, Fraktionsvize der Linken im Bundestag, hat seinen Wahlkreis in Nordwestmecklenburg. Er weist darauf hin, dass es dort zwar recht viele Rückkehrer gebe. Die nähmen dort ihren Wohnsitz, arbeiten würden sie aber nach wie vor etwa in Lübeck oder Hamburg. Er sagte dem Tagesspiegel: „Die Normalisierung wird weitergehen, wenn in Ost und West gleiche Löhne für gleiche Arbeit gezahlt werden. Ich wünsche mir, dass in zehn Jahren solche Studien nicht mehr nötig sind.“

Autor

13 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben