Osterfeierlichkeiten : Bunter Trubel in Rom

Nach der traditionellen Fußwaschung am Gründonnerstag steht heute in Rom der Kreuzweg am Kolosseum im Mittelpunkt der Feierlichkeiten. Auch nach Jerusalem kamen Tausende Menschen.

Rom/Jerusalem - Eindrucksvoller Auftakt der ersten Osterfeierlichkeiten mit Papst Benedikt XVI: Als ein Höhepunkt stand am Karfreitag-Abend in Rom der Kreuzweg am Kolosseum auf dem Programm. Im Gedenken an den Leidensweg Jesu Christi vor 2000 Jahren wollten sich die Pilger im Schein von Fackeln auf den Weg ins Zentrum der Ewigen Stadt machen. Ob Joseph Ratzinger bei der Feier selbst das Kreuz tragen würde, war bis zuletzt unklar. Am Gründonnerstag hatte Benedikt die Osterfeiern mit der Weihung der heiligen Öle für Taufen und Firmung und der traditionellen Fußwaschung eröffnet.

Der Ritus, bei dem Benedikt mehreren Priestern die Füße wusch, erinnert an die Geste des Religionsstifters Jesus von Nazareth kurz vor seinem Tod am Kreuz. Jesus hat nach biblischer Überlieferung seinen Jüngern zum Zeichen der Demut die Füße gewaschen. «Jedes Werk der Güte für einen anderen, besonders für die Leidenden und diejenigen, die wenig geschätzt werden, ist ein Dienst der Fußwaschung», erklärte Benedikt.

Zur Karfreitagsprozession in Jerusalem kamen tausende Gläubige an die historische Stätte im Heiligen Land. Pilger aus vielen Ländern der Welt zogen betend und singend durch die engen Straßen der Altstadt. «Es sind deutlich mehr Menschen gekommen, als in den vergangenen Jahren», sagte ein Teilnehmer. Traditionell schulterten einige Pilger Holzkreuze und trugen über die 14 Stationen des Kreuzweges entlang der «Via Dolorosa» bis zur Grabeskirche - dort soll Jesus der Überlieferung zufolge von den Römern ans Kreuz geschlagen und in der Nähe begraben worden sein. Unter den Gläubigen waren zahlreiche ausländische Diplomaten.

Israelische Soldaten und Polizisten hatten die Sicherheitsvorkehrungen in Jerusalem vor Beginn des jüdischen Passah- Fests am Mittwochabend verschärft. Nur wenige der palästinensischen Christen aus dem Westjordanland konnten deswegen zu den Feiern und Gottesdiensten nach Jerusalem reisen.

In Rom herrscht schon seit Gründonnerstag bunter Trubel. Auch in den kommenden Tagen soll das frühlingshafte Wetter anhalten. Höhepunkt der Feiern ist nach der Osterwache am Samstagabend der Ostersonntag. Bei der Ostermesse wird Benedikt auf dem Petersplatz den Segen «Urbi et Orbi» (Der Stadt und dem Erdkreis) sprechen.

An die biblisch überlieferte Auferstehung Christi glauben 47 Prozent der Deutschen, ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Münchner Nachrichtenmagazins «Focus». Da in Deutschland knapp zwei Drittel der Bevölkerung (63 Prozent) Katholiken oder Protestanten sind, glauben selbst unter den Christen längst nicht alle an die Osterbotschaft.

Gläubige in aller Welt haben Papst Benedikt XVI., der am Ostersonntag auch seinen 79. Geburtstag begeht, im Internet gratuliert. Bisher hätten mehr als 500 Internetnutzer ihre Glückwunsche übermittelt, sagte ein Kirchensprecher des Erzbistums München über die Initiative der bayerischen Bistümer. Viele Gratulanten berichteten, durch Benedikt XVI. zum Glauben und zur katholischen Kirche gefunden zu haben.

Mit Gottesdiensten und Karfreitagsprozessionen erinnerten Millionen Christen in Deutschland an den Kreuzestod Jesu. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, mahnte, die Konflikte der Welt seien mit Gewalt nicht lösbar. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, rief zur Versöhnung auf. Er verwies dabei unter anderem auf Gewalt an Schulen wie in der Rütli-Schule in Berlin und den Nahost-Konflikt.

Der Trierer Bischof Reinhard Marx forderte Solidarität mit den Christen im Heiligen Land. Die Situation der Christen in allen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens sei schwieriger als in vielen Jahrhunderten zuvor. Auch ein radikalisierter Islam erhöhe den Druck auf die Gläubigen. Es sei die Frage, ob es in den kommenden Generationen in der Heimat Jesu überhaupt noch christliche Gemeinden geben werde.

In Lübeck setzten die evangelische Bischöfin Bärbel Wartenberg- Potter (Lübeck) und der katholische Erzbischof Werner Thissen (Hamburg) bei einer Karfreitagsprozession ein ökumenisches Zeichen: Gemeinsam trugen sie dabei das Kreuz auf einem Kreuzweg. (tso/dpa)

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