Ostermesse : Papst ruft zu Frieden in Tibet auf

Strömender Regen, Gewitter und eine Friedensbotschaft: Papst Benedikt XVI. ruft in seiner traditionellen Osteransprache auf dem Petersplatz in Rom zu einem Ende der Gewalt in Tibet und anderen Konfliktgebieten auf. Einige Bischöfe werden noch deutlicher.

Palmsonntag
Papst Benedikt XVI feiert Palmsonntag auf dem Petersplatz in Rom. -Foto: dpa

Rom/Jerusalem/HamburgMan solle, "an den gepeinigten Nahen Osten denken - vor allem an das Heilige Land, an den Irak und den Libanon - und schließlich an Tibet". Papst Benedikt XVI. hat bei der Ostermesse in Rom zum Frieden in den Krisenregionen der Welt wie in Afrika, Nahost und Tibet aufgerufen. Für diese Regionen unterstütze er die Suche nach Lösungen, "die das Wohl und den Frieden schützen". Vor Zehntausenden von Gläubigen, die in strömendem Regen und Gewitter auf dem Petersplatz ausharrten, verwies das 80-jährige Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche auf die Konflikte in Darfur und Somalia.  Mehrere deutsche Bischöfe riefen zudem zum Widerstand gegen Ausbeutung, Unterdrückung und "Todesproduktion" auf.

Höhepunkt der Messe in Rom war der anschließende Segen "Urbi et Orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis). Der Papst sprach die Osterwünsche in 63 Sprachen und sagte auf Deutsch: "Euch allen ein gesegnetes und frohes Osterfest! Der Friede und die Freude des auferstandenen Herrn sei mit Euch." Am 16. April wird der aus Bayern stammende Papst 81 Jahre alt, am 19. April jährt sich zum dritten Mal seine Papstwahl.

Widerstand statt Ergebung

Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Michel Sabbah, forderte ein Ende der Gewaltspirale im Nahen Osten. Man könne keine Sicherheit erreichen, in dem man bei anderen Menschen Unsicherheit schafft, sagte das katholische Oberhaupt des Heiligen Landes am Sonntag in der Grabeskirche. Das Töten von Menschen sei kein geeigneter Weg, um Rechte zu legitimieren, fügte er im überfüllten Gotteshaus hinzu. Sabbah (75), der erste Palästinenser auf dem Jerusalemer Bischofsstuhl und ein scharfer Kritiker der israelischen Besatzung, wird demnächst aus Altersgründen aus dem Amt scheiden.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, sagte in seiner Osterpredigt in Berlin, Widerstand statt Ergebung - das sei der Geist von Ostern. Er verwies auf die Tibeter, "die aufbegehren, weil sie um ihre kulturelle Identität fürchten; mit brutaler Gewalt werden sie zurückgeschlagen". Der katholische Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke ermunterte die Christen, ihre Stimme zu erheben, wenn Menschen wie derzeit in Tibet durch politische Unterdrückung ihrer Freiheit beraubt würden. Er kreidete auch die ausbeuterischen wirtschaftlichen Strukturen in Teilen Lateinamerikas an.

Kampf gegen "Todesproduktion"

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen verlangte, "den Kampf gegen jedwede Todesproduktion aufzunehmen". Er kritisierte die "milliardenschwere Rüstung" sowie "die Todesstrategie des Aushungerns der Armen" und appellierte, gegen die Tötung des ungeborenen menschlichen Lebens und aktive Sterbehilfe vorzugehen. Der neue Münchner Erzbischof Reinhard Marx forderte die Christen zu mehr gesellschaftlichem Engagement gegen Gier und Materialismus auf. So müssten sie sich für Arbeitnehmer einbringen, die "vor einem sich überschlagenden Kapitalismus" geschützt werden müssten.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, mahnte die soziale Verantwortung der Massenmedien an. Sie dürften nicht um einer höheren Quote willen bestimmte Ereignisse auf suggestive Weise selbst schaffen, sondern müssten an einer "Kultur der Wahrhaftigkeit" mitwirken. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick und Bayerns Landesbischof Johannes Friedrich sprachen sich für einen stärkeren Dialog der Religionen aus.

Die Christen feiern an Ostern die Auferstehung des Religionstifters Jesus Christus von den Toten vor 2000 Jahren. In diesem Jahr fiel das Osterfest mit dem jüdischen Kostümfest Purim zusammen. Aus Furcht vor Anschlägen wurden in Israel die Sicherheitskräfte in erhöhte Sicherheitsbereitschaft versetzt. Die Palästinensergebiete wurden bis diesen Montag abgeriegelt. (ck/dpa)

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