Outing : Fady fürchtet um sein Leben

Der junge Libanese floh aus seiner Heimat, um ein besseres Leben zu führen. Dann hat die "Bild“ den Kandidaten von "Deutschland sucht den Superstar" als schwul geoutet - und sorgt sich jetzt um sein Überleben.

Mathias Stamm
Fady
Frauenschwam Fady, ein gebürtiger Libanese hat Angst. -Foto: ddp

Wenn sich junge Menschen um die Rolle von Deutschlands nächstem Superstar bewerben, setzen sie sich auf beispiellose Art der Öffentlichkeit aus. Vier Autoren recherchierten und schrieben die Titelgeschichte der „Bild“-Samstagsausgabe: „Superstar Fady verheiratet mit einem Mann“. „Ausgerechnet der Frauenschwarm“ sei es, „DER Herzensbrecher“ der Casting-Show, dessen „samtweiche Stimme“ die Frauen „bezaubert“.

Der so Geoutete ist einer der letzten sechs Kandidaten von „Deutschland sucht den Superstar“. Der 28-jährige Fady Maalouf ist gebürtiger Libanese. Er floh während des Krieges nach Frankreich und wohnt seit einem Jahr in Hamburg. Zusammen mit einem Mann, wie Deutschland seit Samstag weiß. Und wie „Bild“ ergänzt: in einer gemütlichen Wohnung mit lila Tapeten, goldenen Verzierungen und einer Katze.

In „Bild am Sonntag“ sorgten sich dann drei weitere Journalisten um den am Vortag geouteten Superstar-Kandidaten: „Jetzt muss er um sein Leben bangen“. Wie das Internetportal www.bildblog.de anmerkt, verschwiegen die Autoren allerdings, wo das „Homo-Outing“ stattfand. Kein Wort über den Text, der am Tag zuvor in der Schwesterzeitung „Bild“ erschienen war. Dafür betonen die Autoren, dass Maalouf noch am Samstag jedes Gespräch zu seinem Outing verweigerte, während er im Gespräch mit „Bild am Sonntag“ über seine Angst vor Racheakten sprach – sollten radikale Libanesen von seiner Homosexualität erfahren. Zitate eines Islam-Wissenschaftlers und einer Pfarrerin aus Beirut verdeutlichten, dass die Ängste nicht unbegründet sind.

In der Samstagssendung von „Deutschland sucht den Superstar“ wurde die „Bild“-Zeitung nicht kommentiert. Überraschenderweise – schließlich ist RTL nicht zimperlich im Umgang mit dem Privatleben der Superstar-Kandidaten und inszeniert in kleinen Einspielfilmchen jeden Samstag ihren Alltag, ihre Familie und vor allem ihre Hoffnungen. In dieser Inszenierung hat auch Maalouf seine Rolle bisher gespielt. Erwartungskonform gab er den Charmeur und flirtete mit seinen Mitkandidatinnen.

Allein Jury-Mitglied Dieter Bohlen machte eine Andeutung und sprach Maalouf nach seinem Auftritt Respekt aus, trotz des Drucks der Medien eine derart gute Leistung abzuliefern. Die Geschichte interessiere ihn nicht, meinte Maalouf daraufhin nur lapidar. Vorher hatte er „Your Song“ von Elton John gesungen – in der Originalversion, also für einen Mann.

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