Welt : Ozon bremst Autofahrer aus

STUTTGART (AFP/dpa).Erstmals seit Inkrafttreten der sogenannten Sommersmog-Verordnung vor drei Jahren sind in Deutschland Fahrverbote für Autos ohne Katalysator verhängt worden: In Baden-Württemberg und Hessen dürfen am Mittwoch von 6 Uhr bis Mitternacht nur Autos mit Kat fahren.Wie das Stuttgarter Umweltministerium am Dienstag mitteilte, wurde an drei Meßstationen in einer Entfernung von mehr als 50 Kilometern der Grenzwert von 240 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft überschritten.Auch in Hessen wurden die Grenzwerte nach Angaben des Verkehrsministeriums mehrfach überschritten.

Nach der bundesweit einheitlichlichen Verordnung gegen den Sommersmog von Juli 1995 treten Fahrverbote für Kraftfahrzeuge ohne Katalysator dann in Kraft, wenn an mindestens drei Meßstationen ein Wert von 240 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft erreicht wird und dieser Wert auch für den folgenden Tag zu erwarten ist.Die Verordnung sieht jedoch eine Reihe von Ausnahmeregelungen vor: So fallen unter anderem Fahrten von Berufspendlern, zum Urlaubsort und zurück sowie Militärfahrzeuge und Behinderten-Autos nicht unter das Verbot.Mit der umstrittenen bundesweiten Ozon-Verordnung von 1995 hatten die bis dahin unterschiedlichen Ozon-Regelungen der Länder ihre Gültigkeit verloren.

Mit sengender Hitze und den hohen Ozonwerten ist der Hochsommer am Dienstag für viele Menschen zur gesundheitlichen Belastung geworden.Bei Koblenz erreichten die Temperaturen bereits am frühen Nachmittag den bisher von Freiburg gehaltenen diesjährigen Rekordwert von 37,5 Grad.Die Ozonkonzentration überschritt schon am Mittag an vielen Orten den Grenzwert von 180 Mikrogramm.Auch für mehrere Orte von Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen traf das zu.Die Landesumweltämter warnten ozonempfindliche Menschen vor körperlicher Betätigung im Freien und forderten Autofahrer auf, ihre Wagen stehenzulassen.

Weitaus dramatischere Folgen hatte die Hitze in Südosteuropa.Auf Zypern fielen der Hitzewelle bis Dienstag bereits 56 Menschen zum Opfer.Die Hitze erreichte Spitzenwerte von 43 Grad.In den Krankenhäusern herrschte Hochbetrieb, das Leichenschauhaus in Larnaca war überlastet.

In der Schweiz wurde in der Nacht ein Sonderzug evakuiert, der 235 belgische Ferienkinder nach Hause bringen sollte.Wegen Problemen an der Klimaanlage waren die Wagen völlig überhitzt, mehrere Insassen erlitten Hitzestaus und Atembeschwerden oder gerieten in Panik.

Mit der Hitzewelle setzte sich nun auch in Mitteleuropa ein Trend fort, der sich bereits im Juli angedeutet hatte.Der Monat war nach Angaben amerikanischer Klimaforscher im Weltmaßstab der heißeste Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.Er lag mit 16,5 Grad 0,6 Grad über dem statistischen Durchschnittswert.US-Vizepräsident Al Gore nahm das als weiteres Indiz für einen weltweiten Klimawechsel: "Man kann kaum ignorieren, daß etwas vor sich geht - und das ist die globale Erwärmung", sagte er in Washington.

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