Paddel-Abenteuer : Killerwellen und Hai-Eskorten

Nach 61 Tagen im Kajak auf hoher See sind zwei australische Abenteurer heute in Neuseeland eingetroffen. Die beiden legten die 2200 Kilometer lange Strecke von Australien aus nur mit Muskelkraft und ohne Begleitmannschaft zurück.

Christiane Oelrich[dpa]
Abenteurer
Euphorie. James Castrission (l.) und Justin Jones bei ihrer Ankunft. -Foto: dpa

Singapur/WellingtonUnter dem Jubel von tausenden Schaulustigen sprangen sie am Ngamotu-Strand auf der Nordinsel ins seichte Wasser und wateten, etwas wackelig auf den Beinen, an Land. "Ich kann nicht glauben, dass wir es geschafft haben", sagte Justin Jones (24) überwältigt. "Das Meer hat uns manchmal herumgeschleudert wie eine Socke in der Waschmaschine", erzählte James Castrission (25).

"Ein Bier", war ihr erster Wunsch, der prompt erfüllt wurde. Gegen das ersehnte Steak zum Abendessen erhob ein Arzt allerdings Einspruch, nachdem die beiden sich wochenlang nur von Dörrnahrung ernährt hatten. Unter den 10.000 Schaulustigen waren Angehörige und Maori-Krieger, die einen Freudentanz aufführten. Die beiden sahen selbst ein bisschen wie Krieger aus: die Gesichter dick mit Sonnencreme bedeckt, Jones mit langer Haarmähne. Castrission hatte sich zur Feier des Tages extra rasiert. Sonnenbrand und Blasen an den Händen zeugten von der Tortur, die hinter ihnen lag.

"Übermenschliche Anstrengung"

Die beiden hätten ihre Reise in ihrem neun Meter langen Kajak "Lot 41" vor ein paar Tagen fast abgebrochen. Sie waren völlig entkräftet und kamen wegen starker Strömungen kaum noch voran. Eine "übermenschliche Anstrengung", wie ein Freund sagte, brachte sie dann doch noch ans Ziel. Anfang vergangenen Jahres war der 39-jährige Australier Andrew McAuley (39) spurlos verschwunden, nachdem er allein eine Kajak-Reise nach Neuseeland versucht hatte. Eine solche Solo-Überfahrt gelang bislang nur dem neuseeländischen Ruderer Colin Quincy, der die Distanz 1976 in 67 Tagen bewältigte.

Jones und Castrission, die sich aus Schulzeiten kennen, waren am 13. November aufgebrochen. Vor Weihnachten wollten sie an Land gehen. Doch Strömungen und Wellen warfen sie immer wieder zurück und sogen sie einmal sogar in eine Kreisbahn. Die beiden mussten schließlich 3300 Kilometer paddeln - ein Drittel mehr als geplant. Sie halbierten dafür sogar ihre Essensrationen. Dann fiel auch noch die Entsalzungspumpe aus. Mit der Handpumpe war einer der beiden jeden Tag zwei Stunden beschäftigt, um genügend Trinkwasser aus Meerwasser zu erzeugen. Eine Extraanstrengung, zusätzlich zu den rund 15 Stunden Paddeln am Tag.

Manche Nacht war haarsträubend. "Gestern haben wir uns durch sieben, acht Meter hohe Wellen gekämpft", sagte Jones kurz nach Weihnachten in einem Internetbeitrag, den er per Satellit überspielte. "Eine ist voll über unsere Köpfe gegangen - wir waren klatschnass." Einen Tag später berichtete Castrission: "Während ich rede, schwimmen zwei Haie um uns herum. Einer ist länger als das halbe Boot", sagte er. "Es ist ziemlich furchterregend." Immer wieder rammten die Haie den Rumpf. "Sie sind ziemlich neugierig", meinte Castrission. Nur vier Stunden vorher war sein Freund fast eine halbe Stunde im Wasser gewesen, um Dreck vom Rumpf zu schrubben. "Nicht auszudenken ..."

"Wir wollen andere inspirieren"

Warum das Ganze? "Wir wollen andere inspirieren, keine Angst davor zu haben, ihre eigenen Ziele und Träume zu verwirklichen", schrieben die beiden auf ihrer Webseite.

In umgekehrter Richtung hatte ein Rudererquartett die Überfahrt über die Tasmanische See zwei Wochen zuvor bewältigt. Einen Tag vor Silvester kamen die vier Australier in Sydney an. Sie waren Ende November von Auckland aus über den Südpazifik gestartet - und hatten die Strecke in 31 Tagen geschafft. Motiviert habe sie die Aussicht auf das traditionelle Silvesterfeuerwerk der Stadt, erklärten die zwei Männer und zwei Frauen nach ihrer Ankunft.

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