Pädophiler Serienmörder : Maskenmann vor Gericht

Kurz vor Eröffnung des Prozesses am Montag gegen den geständigen Kindermörder Martin N. sind Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden bekannt geworden.

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Trieb jahrelang sein Unwesen. Der „Maskenmann“ auf einem Fahndungsfoto. Foto: dapd
Trieb jahrelang sein Unwesen. Der „Maskenmann“ auf einem Fahndungsfoto. Foto: dapdFoto: dapd

Polizei und Justiz sollen schwere Pannen bei der Suche nach dem „Maskenmann“ unterlaufen sein, der zwischen 1992 und 2001 drei Jungen in Norddeutschland getötet und viele weitere missbraucht haben soll. Der NDR berichtete, Polizei und Staatsanwaltschaft hätten in Bremen und Bremervörde Akten vernichtet, obwohl die entsprechenden Taten zu dem Zeitpunkt noch nicht verjährt gewesen seien. Außerdem habe die Bremer Polizei eine öffentliche Warnung der Bevölkerung abgelehnt, die Eltern in Bremen gefordert hatten, nachdem dort in kurzer Zeit sieben Mal Jungen im Stadtteil Lehe missbraucht worden waren.

Erst 19 Jahre nach dem ersten Mord gelang es der Polizei, Martin N. zu fassen. In seiner Vernehmung im April 2011 hat der 40-jährige Pädagoge alle drei Morde gestanden. Er gestand auch, Dutzende weitere Jungen in Zeltlagern, Landheimen und Wohnhäusern in Norddeutschland missbraucht zu haben.

Die Staatsanwaltschaft Stade hat N. wegen Mordes und wegen Missbrauchs in 20 Fällen angeklagt. Martin N. hat noch mehr als 20 weitere sexuelle Übergriffe eingeräumt, doch diese Taten sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft verjährt.

Die Mutter von Dennis K. sei inzwischen gefestigt genug, um den Prozess durchzustehen, sagte ihre Anwältin Monique Radtke. Sie wird am heutigen Montag im Gerichtssaal sitzen. „Sie möchte wissen, was damals geschehen ist“, sagt Radtke. Sie wolle dem Mörder ihres Kindes in die Augen sehen. Zehn Jahre lang wusste die Familie nicht, was mit ihrem Kind geschehen ist. N. hatte fast zwei Jahrzehnte lang unerkannt bleiben können, obwohl es mit jedem seiner Übergriffe einen weiteren Zeugen gab. Eine Erklärung dafür liegt wohl in der Tat selbst. Kaum ein Verbrechen ist so perfide wie der sexuelle Missbrauch von Kindern. Missbrauch bleibt allzu oft das Geheimnis zwischen Kind und Täter, weil der Täter nicht selten aus der eigenen Familie stammt oder – und so ist es offenbar im Fall Martin N. gewesen –, weil den Kindern nicht geglaubt wird.

Zu abenteuerlich klangen die Geschichten vom schwarzen Mann mit der Maske, der nachts in Landschulheimen, Zeltlagern und Wohnhäusern an die Betten der Jungen schlich, sie anfasste und wieder verschwand. Unvorstellbar klang, dass dies in Schlafsälen geschah, in denen noch andere Kinder schliefen, oder in Kinderzimmern mit den schlafenden Eltern gleich nebenan. Schlecht geträumt, dachten manche, wenn die Kinder sich ihnen offenbarten. Dabei war der Albtraum real. Erst nach dem Mord an Dennis K. aus Osterholz-Scharmbeck im Jahr 2001 wurde eine Sonderkommission gebildet und nach einem Zusammenhang zwischen den Morden und den Geschichten der Kinder gesucht. Da erst erkannten die Ermittler, dass sie einen pädophilen Serienmörder suchen. Doch bis zur Festnahme von Martin N. vergingen weitere zehn Jahre. mit dpa

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