Pakistan : Blanke Provokation und falsche Nacktfotos

Die pakistanische Schauspielerin Veena Malik reizt ihre muslimischen Landsleute bis zur Weißglut - nicht nur mit freizügigen Fotos. Doch ausgerechnet diese will sie gar nicht gemacht haben.

von
Der schöne Arm des Geheimdiensts. Ein Verkäufer hängt das Magazin auf.
Der schöne Arm des Geheimdiensts. Ein Verkäufer hängt das Magazin auf.Foto: AFP

Ekelerregend seien die Bilder, ereiferten sich Zeitungsleser in Pakistan. Die Frau gehöre des Landes verwiesen, wetterten Mullahs hasserfüllt im Fernsehen. Selbst der Vater der Missetäterin soll sich von seiner Tochter distanziert und die Behörden aufgerufen haben, ihrem schamlosen Treiben Einhalt zu gebieten. Sie bringe dem Land einen schlechten Ruf, zürnte er in den Medien.

Veena Malik, konfliktfreudiger pakistanischer Filmstar, sorgt mal wieder für gewaltigen Wirbel in ihrer Heimat – und zwar mit einem ebenso freizügigen wie provokanten Titelfoto, das die indische Ausgabe des Männermagazins „FHM“ veröffentlichte. Darauf reizt die Schöne die religiösen Tugendwächter nicht nur mit ihrer Nacktheit, sondern nimmt auch noch frech Pakistans mächtigen Geheimdienst ISI auf die Schippe, oder besser: auf den Arm. Zumindest, wenn das Foto echt ist, was Malik bestreitet. Das Bild zeigt die Schauspielerin anscheinend nicht nur nackt, sondern auch mit einem Tattoo auf dem linken Oberarm mit den Lettern „ISI“. Die Schlagzeile dazu lautet: „Pakistans W.M.D“, Pakistans Massenvernichtungswaffe. Das Tattoo scheint eine ironische Anspielung auf ein Zitat des früheren US-Militärstabschefs Mike Mullen zu sein, der das islamistische Terrornetzwerk Hakkani als „wahrhaftigen Arm des ISI“ tituliert hatte. Nun posierte Malik, so legt das Foto nahe, als der schöne Arm des ISI.

In Pakistan sorgt das Bild erwartungsgemäß für einen Sturm der Entrüstung – zum einen, weil sich eine anständige Pakistanerin nicht nackt ablichten lässt und das obendrein auch noch für ein Magazin des Erzfeindes Indiens. Zum anderen, weil man sich nicht über den ISI lustig macht.

Nicht nur im islamischen Pakistan ist das offenherzige Bild Gesprächsthema Nummer eins. Auch im konservativen Indien mit seiner großen muslimischen Minderheit liefert es aufgeregte Schlagzeilen. Denn völlig unklar ist, ob das Foto echt ist oder sich das indische Magazin auf Kosten der Pakistanerin verkaufsfördernde Aufmerksamkeit verschafft.

FHM-Herausgeber Kabeer Sharma versichert, die Nacktbilder seien echt. Als Beweis werde er die Fotos vom Shooting veröffentlichen, kündigte er an. Dagegen bestreitet Malik vehement, vor den Kameras nackt posiert zu haben. Immerhin kann sich die 33-Jährige mit einem solchen Foto in ihrer Heimat schnell Morddrohungen einhandeln. „Ich habe zugestimmt, mich in humorvoller Weise mit einem ISI-Tattoo fotografieren zu lassen. Aber ich habe keine Nacktbilder gemacht“, versichert Malik. Das Magazin habe sie hereingelegt und das Nacktbild am Computer zusammenmontiert „Das bin nicht ich. Ich habe bei dem Fotoshooting Kleider getragen“, erklärte sie.

Wie ihr Sprecher Sohail Rasheed mitteilte, hat die Schauspielerin inzwischen Klage gegen das Magazin eingereicht. Sie verlange umgerechnet 1,5 Millionen Euro Schadenersatz. Das Magazin habe mit den Nacktfotos Maliks Glaubwürdigkeit und Charakter beschädigt. Außerdem verlangt sie einen Auslieferungsstopp.

Das indische Magazin schien Maliks Dementi nicht weiter zu stören. Ungeniert goss es noch mehr Öl ins Feuer, indem es ein zweites Foto an die Medien lancierte, das noch explosiver ist: Dieses zeigt angeblich ebenfalls Malik, nur diesmal sogar mit einer Handgranate zwischen den Lippen und einem Munitionsgürtel um die nackten Hüften.

Obwohl auf beiden Fotos die Brüste bedeckt bleiben, sind die Bilder ein offener Schlag ins Gesicht von Pakistans konservativer Gesellschaft und ein offener Affront gegen die Mullahs, die erwartungsgemäß schäumen. Ob zumindest der ISI das pikante Tattoo mit Humor nimmt und die neue ISI-Botschafterin zu schätzen weiß, blieb unbekannt. Der Geheimdienst zog es vor, zu den Fotos zu schweigen. Der pakistanische Innenminister Rehman Malik bemühte sich, den Volkszorn zu besänftigen. Man müsse zunächst prüfen, was an der ganzen Sache dran sei und ob sich die Aktrice tatsächlich ausgezogen habe, erklärte er.

Die Schauspielerin hat bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass sie dem Konflikt mit Fanatikern nicht aus dem Weg geht – und mehr Rückgrat besitzt als mancher Politiker, der im Westen über Toleranz schwadroniert, aber zu Hause vor den Fanatikern kuscht. Legendär ist ein Streitgespräch zwischen ihr und einem Mullah im pakistanischen Fernsehen, in dem die Schöne die Doppelmoral der Religiösen gegenüber Frauen anprangert. Dies hat sie zum Feindbild der Islamisten gemacht, aber auch zur Heldin von liberalen Pakistanern, die nicht umhin können, dem Starlet trotz seiner Kapriolen und Publicity-Gags Respekt für seine Courage zu zollen.

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben