Welt : Palast der Tränen

Masako, die Frau des japanischen Kronprinzen, leidet – an einer „Anpassungsstörung“, sagen die Ärzte

Harald Maass

„Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.“ Im Märchen wäre die Geschichte von Japans Prinzessin Masako 1993 so zu Ende gegangen. Die bürgerliche Karrierediplomatin Masako Owada heiratete den Kronprinzen Naruhito, der lange um sie geworben hatte. Japan hatte seine Traumhochzeit: Die hübsche Tochter einer Diplomatenfamilie, in Harvard und Oxford ausgebildet, eroberte mit Weltoffenheit und Charme die Herzen. Doch für Masako begann vor elf Jahren eine andere Geschichte: die Leiden einer Frau, die an den strengen Traditionen im konservativen Kaiserpalast zu zerbrechen droht.

Anfangs waren es nur Gerüchte. Prinzessin Masako, mittlerweile 40 Jahre alt, sei unglücklich, schrieben die Hofberichterstatter. Die mächtigen Hofbeamten ließen ihr kaum Freiheiten. Als vor zwei Monaten Prinz Naruhito öffentlich die Hofverwaltung kritisierte, schreckte das Land auf. „Es hat Vorfälle gegeben, die sowohl Masakos berufliche Zukunft als Diplomatin als auch ihre persönliche Entwicklung behinderten“, erklärte er. Sein ungewohnt offenes Statement wurde als Hilfeschrei des Prinzen gewertet, der für seine geliebte Frau kämpft – und als deutliche Kritik auch an seinen Eltern. Neben den kaiserlichen Beamten sollen auch Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko Druck auf die Prinzessin ausüben. „Masako spürte Druck , dass ihre offizielle Arbeit das Gebären des Thronfolgers ist“, sagte Yukie Kudo, eine Studienfreundin der Kronprinzessin.

Thronfolger kann laut Gesetz nur ein Sohn des Kaisers werden. Ganz Japan spekuliert daher über die Fruchtbarkeit der Prinzessin. Nach vielen kinderlosen Jahren und einer Fehlgeburt 1999 hatte Masako 2001 die Tochter Aiko zur Welt gebracht.

Inzwischen kann auch der Hof Masakos Leiden nicht mehr verheimlichen. Seit acht Monaten ist die Prinzessin nicht mehr öffentlich aufgetreten. Sie leide unter einer „Anpassungsstörung“, erklärten jetzt Palastbeamte. Masako zeige Angstzustände und werde wegen „depressiver Empfindungen“ behandelt. Eine Genesung werde wohl sehr lange dauern. Dass das ansonsten wortkarge kaiserliche Haushofamt öffentlich den Gesundheitszustand eines Mitglieds der königlichen Familie diskutiert, ist in Japan eine Sensation. Dabei klingt die Diagnose „Anpassungsstörung“ harmloser, als sie ist: Prinzessin Masako ist zehn Jahre nach Eintritt in die Kaiserfamilie depressiv, weil sie sich der von ihr erwarteten Rolle nicht gewachsen fühlt.

Japans Kaiserhaus gilt als eines der konservativsten Adelshäuser der Welt. Zwar hatte Kaiser Akihito nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Status als „Gottkaiser“ öffentlich widerrufen müssen, an den strengen höfischen Ritualen und Traditionen änderte sich jedoch kaum etwas. Mehr als 1000 Hofbeamte, Protokollführer, Kammerdiener und Zofen sind dafür zuständig, den Tagesablauf der Mitglieder der königlichen Familie bis ins Kleinste zu überwachen. Ausflüge ins Nachtleben von Tokio sind für Masako und Naruhito undenkbar. Jedes Telefonat wird überwacht, eingekauft wird nur per Katalog. Seit der Hochzeit wurden der Prinzessin nur fünf Auslandsreisen gestattet, kritisierte ihr Mann – schwer zu ertragen für Masako, die als Kind in New York und Moskau aufgewachsen ist. Die ersehnte Zeugung eines Sohnes erzwingt ihre Anwesenheit in Tokio, glauben die kaiserlichen Beamten. „Ich glaube nicht, dass sie einen Nachfolger haben wird, wenn sie weiter wie ein Panda im Käfig behandelt wird“, meint der Buchautor Naoki Inose.

Angeblich denkt Masako auch über eine Trennung nach. „Es gibt kein Gesetz, das die Scheidung von Kronprinz und Kronprinzessin verbietet“, sagt der Jura-Professor Koichi Yokota – erst wenn der Prinz später Kaiser werde, sei das nicht mehr möglich. Vielleicht wird Masako irgendwann auch per Gesetz erlöst. Seit längerem wird in Japan eine Gesetzesänderung diskutiert, die Mädchen auch bei der Thronfolge mit Jungen gleichstellt – 93 Prozent der Japaner sind dafür. Prinz Naruhito und Prinzessin Masako warten dringend auf ihr Happy End. (mit dpa)

1963 Masako Owada am 9. Dezember geboren.

1981 begann sie ein Wirtschaftswissenschaften-Studium in Harvard.

1986 lernte sie den japanischen Kronprinzen Naruhito auf einem Empfang kennen, lehnte seinen Heiratsantrag aber ab und ging nach Oxford, um weiter zu studieren.

1990 trat sie ins Außenministerium ein.

1993 heiratete Masako Prinz Naruhito. Tsp

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