Pandemie-Gefahr : Schweinegrippe breitet sich weltweit aus

Die Zahl der Grippe-Infizierten nimmt rund um den Globus zu. Auch in Deutschland gibt es Verdachtsfälle. Gouverneur Schwarzenegger verhängt den Notstand in Kalifornien - US-Präsident Obama will 1,5 Milliarden Dollar für den Kampf gegen die Seuche.

Schweinegrippe
Passagiere bei der Ankunft aus Mexiko. -Foto: dpa

Washington/BerlinDie sogenannte Schweinegrippe breitet sich rund um den Globus weiter aus. Mehr als 20 Länder waren am Dienstag von bestätigten oder möglichen Krankheitsfällen betroffen, darunter auch Deutschland. Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Warnung vor einer Grippe-Pandemie verschärfte, zeigte sich die Bundesregierung gut gerüstet für einen möglichen Ausbruch.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) wurden drei Menschen aus Süddeutschland auf Schweinegrippe getestet. Bei den Betroffenen handele es sich unter anderem um ein Ehepaar, das kürzlich von einem Mexiko-Urlaub zurückgekehrt sei. Unterdessen wurde in Hamburg ein weiterer Verdachtsfall bekannt. Dort wurde eine junge Frau mit Grippe-Symptomen nach ihrer Rückkehr von einer Mexiko-Reise isoliert und medikamentös behandelt, teilte das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf am Abend mit. Eine Bestätigung der Verdachtsdiagnose durch das RKI steht jedoch noch aus.

Gesundheits-Staatssekretär Klaus Theo Schröder betonte, es handle sich um "einzelne eingetragene Fälle von außen". Selbst wenn sich die Verdachtsfälle bestätigen sollten, ergebe sich daraus noch keine wesentliche Veränderung der Lage. Deutschland sei "gut vorbereitet".

Schwarzenegger verhängt Notstand

In Mexiko, dem Ausgangsland der Infektionswelle, stieg nach Regierungsangaben die Zahl der mutmaßlich an Schweinegrippe Gestorbenen auf mindestens 152. Bislang wiesen die Behörden den gefährlichen Erreger A/H1N1 bei 20 Toten nach, die Zahl der behandelten Patienten stieg auf 1614. In Mexiko-Stadt ordneten die Behörden vorübergehend die Schließung aller Sportclubs an. Landesweit blieben am Dienstag die Schulen geschlossen.

In den USA stieg die Zahl der bestätigten Erkrankungsfälle auf mindestens 66. Im Bundesstaat Kalifornien rief Gouverneur Arnold Schwarzenegger den Notstand aus, betonte aber, es bestehe kein Anlass zu Alarmismus. In Los Angeles überprüften die Behörden jedoch zwei Todesfälle, die möglicherweise in Zusammenhang mit der Schweinegrippe stehen könnten: In den vergangenen Tagen waren dort zwei Männer gestorben, die an Grippesymptomen gelitten haben sollen.

US-Präsident Barack Obama hat beim US-Kongress zusätzliche 1,5 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) für die Bekämpfung der Schweinegrippe in den USA beantragt. Das Geld soll vor allem dazu benutzt werden, die Produktion und Lagerung von Grippe-Impfstoff und anderen Medikamenten zu beschleunigen.

Impfstoff-Entwicklung kann Monate dauern

Derweil griff das Virus weiter um sich. In Neuseeland, Israel, Kanada sowie in den EU-Mitgliedstaaten Spanien und Großbritannien wurden weitere Fälle bestätigt. Aus etlichen anderen europäischen Ländern wurden weitere Verdachtsfälle gemeldet, darunter Frankreich, Belgien, Österreich und die Schweiz.

Derzeit arbeiten laut WHO Labors in Großbritannien, Kanada und den USA an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Schweinegrippe. Nach Einschätzung von Experten dürfte es aber einige Monate dauern, bis ein handelsüblicher Impfstoff zur Verfügung steht. Die WHO hatte Montagabend den Alarm für eine Grippe-Pandemie auf die vierte von sechs Stufen erhöht. Die Lage sei weiter "sehr ernst", sagte der stellvertretende WHO-Generaldirektor Keiji Fukuda. (ck/dpa/AFP)

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