Pandemie : Schweinegrippe: Drei Todesfälle in Deutschland an einem Tag

In Deutschland sind drei weitere Menschen an der Schweinegrippe gestorben. Darunter ist erstmals eine Frau, die offenbar allein den Folgen der neuen Influenza erlag.

Berlin"Die 48-Jährige aus dem Rhein-Sieg-Kreis hatte keine bekannten Vorerkrankungen, die den schweren Krankheitsverlauf erklären würden", teilte das Universitätsklinikum Bonn am Freitagabend mit. Wo sich die Frau angesteckt habe, sei unklar.

In Augsburg starb einem Zeitungsbericht zufolge zudem ein dritter Patient an den Folgen der Amerikagrippe, die unter dem Namen Schweinegrippe bekannt ist. Damit hätte sich die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit der neuen Grippe in Deutschland innerhalb eines Tages auf sechs verdoppelt. Das Robert Koch Institut (RKI) bestätigte zunächst nur zwei neue Todesfälle, womit die Gesamtzahl bei fünf läge.

An den Folgen der neuen Grippe waren in Deutschland bislang Patienten gestorben, die bereits andere Krankheiten hatten oder wegen gesundheitlicher Risiken besonders anfällig gewesen waren. Nach dem neuen Fall in Bonn rechnet das RKI nun damit, dass auch in Deutschland verstärkt Patienten ohne weitere Vorerkrankungen an der Schweinegrippe sterben könnten.

Der Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit an der Uni-Klinik Bonn, Martin Exner, warnte, dass "möglicherweise jetzt die zweite Welle der Influenza-Pandemie auch in Deutschland beginnt". Insbesondere mit der kalten Jahreszeit könne nun vermehrt mit schwereren Krankheitsverläufen zu rechnen sein. Gleichzeitig wies er aber darauf hin, dass die Mehrzahl der Schweinegrippe-Fälle in Deutschland bislang milde verlaufen sei.

Neben dem Todesfall in Bonn bestätigte das RKI einen zweiten Fall im Saarland: Dort starb am Freitagnachmittag ein fünfeinhalbjähriger Junge in der Kinderklinik Kohlhof an den Folgen einer schweren Lungenentzündung. Bei ihm sei ebenfalls die neue Grippe festgestellt worden. Der Junge litt an einer chronischen Vorerkrankung der Lunge.

In Augsburg erlag am Freitag zudem ein 16-jähriger Patient aus Günzburg dem neuen Virus, wie ein Klinik-Sprecher der Augsburger Allgemeinen bestätigte. Der Jugendliche soll schwerbehindert gewesen sein. Dem Zeitungsbericht zufolge werden in dem Augsburger Klinikum zwei weitere an den Folgen der Schweinegrippe erkrankte Kinder künstlich beatmet.

Zuletzt war am 23. Oktober der dritte Todesfall im Bundesgebiet durch die neue Grippe bekanntgeworden: Ein 65 Jahre alter Mann starb in der Universitätsklinik Mannheim.

In Europa starben nach Zahlen des EU-Seuchenkontrollzentrums ECDC bislang rund 250 Menschen an der Schweinegrippe, mehr als die Hälfte davon in Großbritannien. Weltweit wurden etwa 6000 Todesfälle gemeldet, davon allein 1000 in den USA.

Das RKI rief die Bevölkerung zu erhöhter Vorsicht auf und empfahl eine Impfung. "Mit zunehmenden Fallzahlen, die sich derzeit abzeichnen, wird auch die Anzahl von Fällen mit schwererem Verlauf zunehmen", teilte das Institut in Berlin mit. "Vor diesem Hintergrund sind die Einhaltung von persönlichen Hygienemaßnahmen und die Impfung als wichtige Präventionsmaßnahme von besonderer Bedeutung."

Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters, dpa

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