Welt : Pappelfasern als Bettfüllung: Neues Verfahren entdeckt

Sylvia Schmieder

Ein ungewöhnliches Verfahren zur Herstellung von Bettdeckenfüllungen aus Pappelfasern hat der Freiburger Diplomforstwirt Jens-Gerrit Eisfeld (34) entwickelt. Seine Firma "Pap(p)illon Daunen GmbH" erntet Pappelfrüchte mit Hilfe eines Gas-Fesselballons und gewinnt aus ihnen die besonders feinen Fasern, die ähnlich wie die Schirmchen der "Pusteblume" als Flugkörper für die Pappelsamen dienen. Ihre Besonderheit: Laut Gutachten des Textilien- Forschungsinstitutes Hohenstein weisen sie nahezu ideale Eigenschaften als Füllungen für Oberbetten auf. Eisfelds thermisch- mechanisches Verfahren trennt die empfindlichen Fasern auf schonende Weise von den Samen und allen Schmutzstoffen. Ein Prüfungsbericht des Europäischen Patentamtes hält eine weltweite Patentierung für sehr wahrscheinlich.

Ein Kopfkissen aus dem daunenweichen "Pappelschnee", mit der Mistgabel von den Ästen geholt, stand am Anfang. Eisfeld schenkte es seiner Freundin, und die war so überzeugt von seinen Eigenschaften, dass sie nicht mehr "ohne" verreisen wollte. Der Forstwirt begann, mit verschiedenen Erntemethoden zu experimentieren, zog mit Stangenscheren, Leitern und Staubsaugern durch den Pappelwald bei Rastatt. Gleichzeitig beauftragte er ein Institut mit der Untersuchung der Fasereigenschaften.

Als das Ergebnis kam, war die Überraschung groß: "Ich selbst konnte mit den Zahlenreihen erst nicht viel anfangen, aber die Fachleute, die sie für mich auswerteten, waren sprachlos", erzählt Eisfeld. Denn die pflanzliche Füllung vereinige die günstigen Eigenschaften von Gänsedaunen und Tierhaaren. Pappelflaum halte so warm wie Gänsedaunen, transportiere aber gleichzeitig die Feuchtigkeit fast so problemlos wie eine Wolldecke. Die Schnelligkeit der Feuchtigkeitsaufnahme übertreffe die von Daunen und Tierhaaren sogar um etwa 50 Prozent.

Vier Jahre hat Eisfeld insgesamt an seiner Idee gearbeitet, davon die letzten zwei "im Schnitt achtzig Stunden in der Woche". Seine halbe Stelle am Waldbau-Institut der Universität Freiburg musste als Finanzierung herhalten. Jetzt scheint der Durchbruch gelungen: Der diesjährige "Regio StartUp"-Preis für das beste Unternehmensgründungskonzept der Region wurde "Pap(p)illon" zuerkannt. Mehrere Banken sicherten die Finanzierung, auch für die mittlerweile acht Mitarbeiter. Die Ernte mit einem bereits bekannten System aus Raupenfahrzeug, Erntekorb und Fesselballon erwies sich in mehreren Versuchen als besonders praktikabel, weshalb vor wenigen Tagen ein eigener Ballon angeschafft wurde.

Noch gibt es nur einzelne Prototypen verschiedener Decken mit der natürlichen "Superfaser". Doch Einzel- und Großhändler haben laut Eisfeld bereits Interesse angemeldet. Auch für eine zukünftige Produktion in großen Stückzahlen seien genügend Erntebestände vorhanden, ohne dass die großen Pappelbestände der Region dadurch gefährdet seien, versichert der Erfinder. Der Preis für die "Traumdecken" soll sich im Rahmen anderer hochwertiger Oberbetten halten und weniger als 450 Mark betragen.

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