Welt : Papst-Attentäter: Agca in der Türkei vor Gericht

Gegen den in Italien begnadigten Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca hat am Freitag ein Prozess in der Türkei begonnen. Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen wurde der 42-jährige Agca vom Hochsicherheitsgefängnis Kartal in Istanbul zum Gericht im Stadtteil Kadikoy gebracht: Entlang der für den Verkehr gesperrten Route waren Dutzende von Polizisten stationiert, auf Dächern Scharfschützen postiert. Agca muss in der Türkei noch eine knapp zehnjährige Haftstrafe wegen Mordes an dem prominenten Journalisten Abdi Ipekci 1979 verbüßen. Vor Gericht steht er wegen bewaffneten Raubes: Agca soll 1979 ein Firmenlager in Istanbul und ein Schmuckgeschäft überfallen haben. Zunächst wurde der Überfall auf das Firmenlager verhandelt.

Agca sagte unaufgefordert, es habe keinen Raub gegeben, er sei unschuldig. Er sei auch nicht der Mörder von Ipekci, sondern nur "der Schauspieler in diesem Stück" gewesen, der "die Rolle des Mörders" gespielt habe. Diese Aussagen sorgten im Gerichtssaal für erhebliche Unruhe. Der Richter wies Agca scharf zurecht und warnte ihn, nur zu sprechen, wenn er dazu aufgefordert werde.

Die türkischen Behörden betrachten Agca als Terroristen. Er war als Mitglied der rechtsextremen türkischen Gruppe Graue Wölfe 1979 wegen Mordes an Ipekci zum Tode verurteilt worden, konnte aber aus dem Gefängnis fliehen. Im Zuge einer Amnestie wurde das Urteil 1991 in eine zehnjährige Haftstrafe umgewandelt, von der Agca rund neun Jahre zu verbüßen hat.

Unmittelbar nach seiner Flucht aus dem türkischen Gefängnis hatte Agca öffentlich angekündigt, er wolle einen Mordanschlag auf den Papst verüben. Bis heute ist nicht geklärt, ob er bei dem Attentat 1981 auf eigene Faust handelte oder ob er Auftraggeber hatte. Der Papst hatte Agca 1983 vergeben. Nach 19 Jahren Haft in Italien war Agca am Dienstag vom italienischen Präsidenten begnadigt und dann an die Türkei ausgeliefert worden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar