Papst auf Kuba : Franziskus trifft Fidel Castro - aber keine Regimegegner

Als erster Papst wollte Franziskus in Havanna kubanischen Regimekritikern begegnen. Doch die kommunistische Obrigkeit fing sie ab - und brachte Vatikansprecher Lombardi damit in Erklärungsnot.

Bei seinem Besuch auf Kuba traf Paps Franziskus Revolutionsführer Fidel Castro in dessen Privathaus in Havanna am Sonntag. Foto: epd
Bei seinem Besuch auf Kuba traf Paps Franziskus Revolutionsführer Fidel Castro in dessen Privathaus in Havanna am Sonntag.Foto: epd

Der zweite Tag der Kuba-Reise des Papstes endete am Sonntag mit einer kleinen Sensation: Franziskus ist als erster Papst offenbar bereit, sich auf Kuba mit Regimekritikern zu treffen. Dieser Versuch ist jedoch vorerst gescheitert. Kubanische Oppositionelle berichteten am Sonntag (Ortszeit), die Polizei habe zwei ihrer Wortführer auf dem Weg in die Nuntiatur abgefangen und verhaftet. Vatikansprecher Federico Lombardi bestätigte nur, das Treffen sei geplant gewesen, dann aber nicht zustande gekommen. Eine solche Begegnung war im offiziellen Reiseprogramm nicht vorgesehen.

Auch Franziskus' Vorgänger, Johannes Paul II. (1978-2005) und Benedikt XVI. (2005-2013), trafen sich auf Kuba nicht mit Dissidenten. Der Grund liegt auf der Hand: Rücksichtnahme auf das kommunistische Regime des Landes. Das reagiert beim Thema Menschenrechte nach wie vor äußerst empfindlich. Obwohl der Vorgang in internationalen Medien schnell die Runde machte, ging Lombardi zunächst nicht darauf ein. Erst auf Nachfrage äußerte er sich in seiner Pressekonferenz dazu - bezeichnenderweise nicht ohne vorher Rücksprache mit seinem kubanischen „Aufpasser“ zu halten, der während der Pressekonferenzen neben ihm auf dem Podium sitzt. Der Mann im Bodyguard-Format blickt den Jesuiten stets sehr kritisch an. Lombardi wand sich denn auch: Ein „Treffen im engen Sinne“ sei nicht geplant gewesen; nur eine kurze Begegnung sollte es sein, erklärte er. Warum diese dann letztlich nicht zustande kam, sei ihm nicht bekannt.

Kritik am Castro-Regime nur zwischen den Zeilen

Möglicherweise hätten auch einige Dissidenten von sich aus abgesagt. Kubanische Medien freilich berichteten, zwei bekannte Regimekritiker seien von Sicherheitskräften daran gehindert worden, den Papst in seinem Quartier in der Nuntiatur in Havanna aufzusuchen. Direkt angesprochen hat Franziskus die Menschenrechte bei seinem Kuba-Besuch bislang nicht. Nur zwischen den Zeilen war Kritik am Castro-Regime herauszuhören - etwa als der Papst sagte, das System der „Dynastie und Gruppen“ sei für immer vorbei; oder in seiner Messpredigt am Sonntag: Im Christentum gehe es nie um Ideologien, sondern um Menschen. In seiner Begrüßungsansprache auf dem Flughafen hatte sich Franziskus auch an all jene gewandt, die er aus „verschiedenen Gründen“ nicht treffen könne. Dies bezogen Beobachter vor allem auf die „Damen in Weiß“ und andere Dissidentengruppen.

Ob Franziskus mit Staatspräsident Raul Castro über die Menschenrechtslage gesprochen hat, blieb offen. Zeit genug hätte er gehabt: Rund eine Stunde redeten beide im Präsidentenpalast miteinander. „Familiär“ und „herzlich“ nannte der Vatikansprecher die Begegnung. Über Inhalte wurde nichts bekannt. Zuvor hatte Franziskus auch schon Rauls Bruder Fidel Castro getroffen. Fernsehaufnahmen zeigen den 89-jährigen Revolutionsführer im blauen Adidas-Trainingsanzug, wie er sich angeregt mit Franziskus unterhält. Nach dem politischen Pflichtprogramm kam für Franziskus am Sonntagabend die Kür: ein Treffen mit Priestern und Ordensleuten in der Kathedrale von Havanna und eine Begegnung mit Jugendlichen. Hier war der Papst in seinem Element. An den vorbereiteten Redetext hielt er sich bei den Geistlichen gar nicht und bei den Jugendlichen nur grob. Vor den Ordensleuten hielt er eine Meditation über die Armut - die stellenweise so humorvoll war, dass seine Zuhörer laut lachen mussten.

Den Jugendlichen rief er zu, sie sollten ihre Träume nicht aufgeben und sich gesellschaftlich engagieren und auch einmischen. Das legte Franziskus jungen Leuten zwar auch schon andernorts nahe. Doch in einer kommunistischen Diktatur wirkte sein Appell fast subversiv. Franziskus bleibt noch bis Dienstag auf Kuba, bevor er in die USA fliegt, die zweite Station seiner Reise. Theoretisch könnte er sich also noch mit Dissidenten treffen. Die meisten Beobachter halten das jedoch für unwahrscheinlich, da ein solches Treffen nur in Havanna möglich sei, der Papst aber ab Montag andere Städte besucht. Aber für Überraschungen ist Franziskus bekanntlich immer gut. (kna)

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