Papst-Besuch : Benedikt XVI. in Bayern eingetroffen

Papst Benedikt XVI. hat seinen Besuch in seiner bayerischen Heimat begonnen. "Bewegten Herzens" betrete er zum ersten Mal seit seiner Wahl bayerischen Boden, sagte der Heilige Vater bei seiner Ankunft auf dem Münchner Flughafen.

München - "Ich kehre in meine Heimat, zu meinen Landsleuten, zurück in der Absicht, einige Orte zu besuchen, die in meinem Leben eine grundlegende Bedeutung hatten." Mit seinem Besuch wolle er eine Ermutigung geben. "Mein Wunsch ist es, dass alle meine Landsleute in Bayern und in Deutschland insgesamt sich aktiv an der Weitergabe der grundlegenden Werte des christlichen Glaubens an die Bürger von morgen beteiligen."

Bundespräsident Horst Köhler empfing den Heiligen Vater mit militärischen Ehren. Dabei erklangen die Hymnen des Vatikans, Deutschlands und Bayerns. In München läuteten an allen katholischen Kirchen die Glocken. Köhler wandte sich mit dem Wunsch nach Fortschritten in der Ökumene an den Papst. Gerade in Deutschland als dem Land der Reformation wünschten viele katholische und evangelische Christen ein Vorankommen in der Verständigung zwischen den Konfessionen. Als evangelischer Christ wolle er seine Hoffnung zum Ausdruck bringen, "dass diese ökumenische Entwicklung weitergeht, vor allem in gegenseitigem Respekt und in Anerkennung der tiefen und wesentlichen Gemeinsamkeiten", sagte Köhler. "Uns verbindet doch so viel mehr als uns trennt."

Der Papst ging abweichend von seinem Redemanuskript direkt auf Köhler ein und sagte, dieser habe ihm aus dem Herzen gesprochen. Auch wenn 500 Jahre der Trennung der beiden Kirchen nicht einfach "bürokratisch oder theoretisch" aus dem Weg zu räumen seien, sei die Ökumene auch sein Ziel. "Wir werden uns mit Herz und Verstand bemühen, dass wir zueinander kommen."

Stationen aus dem Lebensweg Benedikts

Neben diesem kirchenpolitischen Aspekt dominierte bei dem Besuch aber von Beginn an das Persönliche und Private: So warteten auf dem Flughafen außer den Würdenträgern auch Jungen und Mädchen in Tracht und Dirndl aus bayerischen Ortschaften, die eine Beziehung zum Lebensweg Joseph Ratzingers haben. Auf den Besuchertribünen waren ebenfalls zahlreiche Menschen aus diesen Orten. Immer wieder erklangen von dort Jubelrufe und "Benedetto"-Rufe. Als besondere Erinnerung an seine bayerische Herkunft gab die Gebirgsschützenkompanie vom Tegernsee, in der der Heilige Vater Ehrenmitglied ist, Salutschüsse ab.

Der Papst ging locker auf die Gruppen zu und begrüßte viele Gäste abweichend vom Protokoll mit Handschlag. Zuvor hatte Benedikt während des Fluges aus Rom zu Journalisten gesagt, er komme nach Bayern in der "frohen Erwartung eines großen Festes". Dabei verteidigte er den deutschen Katholizismus gegen den Vorwurf, ermüdet zu sein. Er habe gesehen, wie aus Anlass seiner Reise unglaubliche Energien mobilisiert worden seien. Ausdrücklich richtete der Papst auch Grüße an evangelische und orthodoxe Christen sowie die Angehörigen anderer Religionen.

Öffentliches Gebet auf dem Marienplatz

Bei der Begrüßung waren auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) anwesend. Von der katholischen Kirche war unter anderem der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, vor Ort. Nach dem Empfang wollte sich der Papst mit dem Papamobil auf den Weg in die Münchner Innenstadt machen, wo auf dem Marienplatz ein öffentliches Gebet stattfinden sollte. Tausende Gläubige warteten dort bereits zum Teil seit Stunden. Nach Polizeiangaben blieb das befürchtete Verkehrschaos aus. Der Weg des Papamobils in die Stadt war entgegen der Erwartungen nicht überlaufen.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche bleibt sechs Tage in seiner Heimat. In München, Altötting und Regensburg will er drei Großgottesdienste halten, zu denen insgesamt mehr als eine halbe Million Menschen erwartet werden. Es ist der zweite Deutschlandbesuch von Papst Benedikt. Im August vergangenen Jahres besuchte er den Weltjugendtag in Köln. (tso/ddp)

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