Papst in den USA : Benedikt Superstar

Papst Benedikt XVI. hat seine sechstägige USA-Reise beendet. Zum Abschluss seines Besuchs hielt der Papst am Sonntag vor rund 60.000 Menschen eine Messe unter freiem Himmel. Mit tosendem Applaus wurde er gefeiert wie ein Popstar.

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Gefeiert wie ein Popstar: Papst Benedikt XVI. im New Yorker Yankee-Stadion. -Foto: AFP

New York Mit einer riesigen Open-Air-Messe hat Papst Benedikt XVI. am Sonntag seine sechstägige USA-Reise abgeschlossen. Vor rund 60.000 Gläubigen rief der Pontifex im Stadion der New Yorker Baseball-Mannschaft Yankees die Katholiken der USA zur Einheit auf. "Das Gesicht der katholischen Gemeinde in eurem Land hat sich stark verändert", sagte Benedikt. Der Papst würdigte in der Messe auch die ethnische Vielfalt des Landes.

Zehntausende Gläubige jubelten dem Papst zu, als er in seinem Papamobil ins voll besetzte Yankee-Stadion einfuhr und seinen Anhängern durch die geöffneten Fenster zuwinkte. Als Benedikt sich zurückzog, um sich für die Messe anzukleiden, begannen die Gläubigen "Benedetto" zu singen. Benedikt war nach Paul VI. (1965) und Johannes Paul II. (1979) der dritte Papst, der eine Messe im Yankee-Stadion feierte.

Schutz des ungeborenen Lebens

Mit Blick auf die Vielfalt in der US-Gesellschaft sprach der Papst in der Messe von den "Immigranten, deren Traditionen die Kirche in Amerika enorm bereichert haben". Es sei notwendig, die Meinungsverschiedenheiten zu überwinden und das Streben nach individueller Freiheit mit den christlichen Werten in Einklang zu bringen. Die Kirche habe "im Land der Freiheit und der Möglichkeiten eine sehr verschiedenartige Herde geeint". Als der Papst zum Schutz des ungeborenen Lebens aufrief, unterbrachen ihn die Gläubigen mit tosendem Applaus. Der Respekt vor dem Leben jedes einzelnen Menschen schließe auch den Schutz der Ungeborenen im Mutterleib ein. Zugleich rief er alle Christen auf, sich für die Armen und Schwachen stark zu machen sowie für diejenigen, "die keine Stimme haben" in der Gesellschaft.

Gebet am Ground Zero

Am Ground Zero hatte der Pontifex zuvor eine Fürbitte für die 3000 Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 gehalten. "Wir bitten Dich, dass Du durch Deine Güte Licht und ewigen Frieden allen geben mögest, die hier gestorben sind." Außerdem segnete das Oberhaupt der Katholiken das Gelände im Herzen Manhattans. Unter den Klängen eines Solo-Violoncello sprach der Pontifex mit 24 Angehörigen von Opfern.

US-Medien feierten den Besuch des deutschen Kirchenführers überwiegend als Erfolg. "Er hat das Bild des vermeintlich so kühlen und harten Papstes korrigiert", meinte der amerikanische Vatikan-Experte John Allen.

Skandal um pädophile Priester

Zentrales Thema des Besuchs waren aber die sexuellen Missbrauchsfälle durch US-Priester, die die amerikanische Kirche seit Jahren tief erschüttert. Benedikt verlangte eine "Reinigung" der Kirche, Hilfe und Fürsorge für die Tausenden Opfer sowie alle Bemühungen, um eine Wiederholung auszuschließen. Überwiegend begrüßt wurde es, dass er sich mit einer kleinen Gruppe von Opfern traf. Nach Angaben der "New York Times" plant der Vatikan eine Änderung des Kirchenrechts, um sexuelle Übergriffe durch Priester besser verfolgen zu können. Verbände der Opfer meinten, den Worten Benedikts müssten jetzt Taten folgen.

US-Vizepräsident Dick Cheney verabschiedete das katholische Kirchenoberhaupt am Sonntagabend (Ortszeit) auf dem New Yorker John F. Kennedy-Flughafen. Unter dem Jubel zahlreicher Gläubiger bestieg Benedikt eine Sondermaschine der italienischen Fluglinie Alitalia. Am Montagvormittag wird Benedikt wieder im Vatikan erwartet. (sgo/dpa)

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