Papstbesuch : Benedikt XVI. in Bayern

Egal, zu wie vielen päpstlichen Auslandsreisen Benedikt XVI. noch aufbrechen wird: Seine vierte wird für ihn immer eine ganz besondere bleiben. Bei seinem Bayern-Besuch wird er wohl zum letzten Mal seine Heimat sehen.

München - Der Bayern-Besuch des Papstes vom 9. bis 14. September kann sicher kein reiner Privatbesuch sein. Das wäre auch nicht im Sinne von Benedikt XVI. Er wird in Bayern mit hunderttausenden Gläubigen Gottesdienste feiern, mit Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Vertretern anderer christlicher Kirchen zusammentreffen. Auf dem Besuchsprogramm stehen ferner Gespräche mit Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). Und doch hat die bevorstehende Reise eine besondere, eigene Note: Die Öffentlichkeit wird den Papst auch von einer anderen Seite kennen lernen - als Menschen, der Freunde und liebgewonnene Orte aufsucht.

Papst wollte Lebensabend in Bayern verbringen

Eigentlich wollte Joseph Ratzinger seinen Lebensabend in Bayern verbringen und in seinem Haus in Pentling bei Regensburg Bücher schreiben. Schon 2002, mit 75 Jahren, beantragte der damalige Präfekt der Glaubenskongregation bei Papst Johannes Paul II. seine Pensionierung. Und selbst nachdem der Papst ablehnte, blieb der Rückzug an den Schreibtisch der Zukunftsplan Ratzingers. "Ich hatte geglaubt, mein Lebenswerk getan zu haben und nun auf einen ruhigen Ausklang meiner Tage hoffen zu dürfen", sagte er vor einigen Monaten. Daraus wurde nichts: Am 19. April 2005 wählten die Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle den damals 78-Jährigen zum neuen Papst.

Damit muss Ratzinger nicht nur auf eine dauerhafte Rückkehr nach Bayern verzichten, auch die geliebten Urlaube in Pentling fallen weg. Bei seiner Bayern-Reise wird er wohl ein letztes Mal einen Nachmittag in seinem Pentlinger Haus verbringen, in dem er nach wie vor einen Wohnsitz hat. Für die Begegnung mit seinem Bruder Georg und den Besuch der Gräber seiner Eltern und seiner Schwester hat Benedikt XVI. sogar einen "privaten Tag" im Besuchsprogramm eingeplant.

Benedikt XVI. besucht Orte seiner Kindheit

Auch die übrigen Stationen des Papstbesuchs in Bayern sind eng mit dem Leben und Wirken Benedikt XVI. verbunden: Altötting und Marktl erinnern an seine frühe Kindheit und Jugend, München und Freising an die Studienjahre, Priesterweihe und seine Zeit als Erzbischof, Regensburg steht wie keine andere Stadt für die wissenschaftliche Laufbahn des Theologen Ratzinger. "Der Grund des Besuchs war eigentlich eben doch wirklich der, dass ich noch einmal die Orte, die Menschen sehen wollte, wo ich groß geworden bin, die mich geprägt und mein Leben geformt haben, und diesen Menschen danken wollte", sagte der Papst kürzlich in einem TV-Interview. Es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass Benedikt XVI. noch ein weiteres Mal nach Deutschland reisen wird.

Diese persönliche Ausrichtung der Reise sorgt freilich auch für Unmut. In anderen deutschen Bistümern wurde die Beschränkung der Reise auf Bayern zum Teil mit Unverständnis aufgenommen. Und Vertreter der jüdischen Gemeinden reagierten enttäuscht darauf, dass dieses Mal keine Begegnung mit ihnen vorgesehen ist.

Papstbesuch mit besonderer Prägung

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, verspricht sich aber gerade von der persönlichen Prägung des Papstbesuchs eine besondere Wirkung. Lehmann sagte, er glaube, "dass diese Form des Besuches stärker auf die Menschen wirken kann als ein zweifellos eindrucksvolles, offizielles Zeremoniell". (tso/ddp)

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