Paradoxer Effekt : Smog verlangsamt Klimawandel

Die Luftverschmutzung hat im Kampf gegen die globale Erwärmung womöglich positive Auswirkungen: Smog und Schmutzpartikel in der Atmosphäre verbessern nach einer im Fachjournal "Nature" veröffentlichten Studie die Fähigkeit von Pflanzen zur Aufnahme von Kohlendioxid.

London - Der überraschende Effekt resultiert nach Angaben eines europäischen Forscherteams aus der Art und Weise, in der Schmutzpartikel das Sonnenlicht reflektieren. Wolken und Smog streuen demnach das Sonnenlicht, so dass auch Blätter davon getroffen werden, die bei direkter Sonneneinstrahlung im Schatten blieben. Die Fähigkeit der Pflanze zur Photosynthese wird dadurch verbessert.

In den Jahren von 1960 bis 1999 sei die Produktivität der Pflanzen durch die Verschmutzung in der Atmosphäre weltweit um ein Viertel gestiegen, sagte Linda Mercado von dem britischen Meteorologie-Institut Hadley Center, die führende Autorin der Studie. Dadurch seien zehn Prozent mehr Kohlenstoff im Boden gespeichert worden. Pflanzenwachstum wird durch die Photosynthese vorangetrieben, in der Sonnenlicht und C02 in Wasser und Nährstoffe umgewandelt werden.

Das Phänomen der sogenannten diffusen Strahlung ist schon länger bekannt. Es ist aber das erste Mal, dass Wissenschaftler mit einer Modellrechnung deren Auswirkungen auf die Fähigkeit der Pflanzen zur Aufnahme von Kohlendioxid untersuchten. Kohlendioxid gehört zu den Klimagasen, welche die globale Erwärmung vorantreiben. Die Verschmutzung der Atmosphäre durch Abgase und Ruß schreitet seit Jahren weltweit voran, nur in Europa ist sie im Zuge der Bemühungen um Luftreinhaltung zurückgegangen. Die Entdeckung der europäischen Wissenschaftler könnte nun die Politik in ein Dilemma stürzen: Je mehr die Luftverschmutzung und damit die Aktivität der Pflanzen verringert wird, desto stärker müssten gleichzeitig die Kohlendioxidemissionen gesenkt werden, um die globale Erwärmung zu verhindern. Ohne die Verschmutzung der Atmosphäre durch feine Partikel wäre die durchschnittliche Temperatur auf der Erde seit der Industrialisierung nicht um 0,7, sondern um bis zu 1,1 Grad Celsius angestiegen, sagte Knut Alfsen vom Zentrum für internationale Umweltforschung in Oslo.  AFP

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