Welt : Parfüm und Zahnpasta nur im Beutel

Ab Montag: Neue Regeln fürs Flugzeug-Handgepäck

Barbara Junge

Berlin - Die Anschläge sollten die Dimensionen des 11. September 2001 erreichen. Bis zu zehn Flugzeuge auf ihrem Weg von Großbritannien in die USA waren das Ziel islamistischer Fanatiker. Doch der britische Geheimdienst kam ihnen zuvor – am 10. August stoppte die Polizei den interkontinentalen Flugverkehr ab London. Bei einer Razzia fand sie Chemikalien, elektrische Bauteile, Märtyrer- videos und nahm mehr als 20 Verschwörer fest. Sie hatten geplant, die Flugzeuge über dem Atlantik mit Flüssigsprengstoff zur Explosion zu bringen.

Der Plan hat Folgen. Von Montag an gelten in der gesamten Europäischen Union schärfere Regeln, insbesondere für den Transport von Flüssigkeiten im Handgepäck. Direkt nach den verhinderten Anschlägen verbot London jegliche Flüssigkeiten an Bord. Jetzt hat sich die EU auf einen Standard geeinigt, den offenbar auch die USA akzeptieren.

Flüssigkeiten dürfen nur noch in Behältnissen ins Handgepäck, die höchstens 100 Milliliter fassen. Zwar ist es auch möglich, mehrere Fläschchen mitzunehmen. Alle aber müssen in einem durchsichtigen, wieder verschließbaren Plastikbeutel stecken, der einen Liter fasst. Die Beutel sollen auch im Flughafen zu erstehen sein. Als Flüssigkeit gelten aber etwa nicht nur Wasser, Whisky oder Parfüm. Unter die Verordnung fallen auch Gels, Pasten, Cremes und Mischungen von flüssigen und festen Stoffen – also auch Zahn- und Gesichtscreme, Haargel, Deostifte und -zerstäuber oder Rasierschaum.

Mit den Mitteln heutiger Technik sei es noch nicht möglich, unterschiedliche Materialien schnell zu unterscheiden, begründet die EU die umfassende Einschränkung. Um die Kontrollen mithilfe von Scannern bewältigen zu können, müsse deshalb jegliche Form von Flüssigkeit reglementiert werden. Ausnahmen allerdings soll es geben: für Babynahrung, Diät-Lebensmittel und ärztlich verordnete Medizin, die im Flieger benötigt werden. Im Zweifel muss der Passagier nachweisen, dass es sich um das handelt, wofür es ausgegeben wurde – zur Not auch, indem er davon isst oder trinkt.

Getränke und andere Flüssigkeiten aus Flughafenshops sollen künftig versiegelt ausgehändigt werden. Getränke aus den Läden hinter den Sicherheitskontrollen gelten als unbedenklich.

Auch für die Sicherheitskontrolle gelten Verschärfungen. Was bisher nur teilweise verlangt wurde, wird obligatorisch: Jacken und Mäntel müssen ausgezogen, Laptops und andere elektrische Geräten aus dem Handgepäck genommen werden, alles läuft durch den Scanner. Nach einer Übergangszeit von sechs Monaten gilt ab Mai auch eine kleinere Maximalgröße fürs Handgepäck: 56 mal 45 mal 25 Zentimeter. Allerdings können Fluglinien auch geringere Maße vorgeben. Ausnahmen soll es für Musikinstrumente, Fotoapparate oder Kameras geben.

Die Regelungen gelten für alle Flüge, die von einem EU-Flughafen abgehen. Auch Passagiere, die sich hier nur im Transit befinden, müssen ihr Handgepäck nach den EU-Richtlinien packen – oder gebenenfalls ihre Getränke auf dem Weg zwischen erstem und zweiten Flug zurücklassen.

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