Welt : Pariser Straßenstrich aus Wald in Villen-Vorort verlegt

Eine der größten Sexmeilen von Paris hat neuerdings eine feine Adresse. Zum Ärger der Villenbesitzer im westlichen Nobelvorort Boulogne-Billancourt hat sich der Boulevard Anatole-France in den vergangenen Wochen in einen lebhaften Straßenstrich verwandelt. Was die vornehmen Anwohner beklagen, sind die Spätfolgen der verheerenden Weihnachtsorkane: Weil weite Teile des angrenzenden Stadtwaldes Bois de Boulogne wegen der Sturmschäden gesperrt wurden, verlegten die dort tätigen Transvestiten ihr Geschäft auf den Boulevard. Dort ist nun nachts der Teufel los. Bis in die Morgenstunden strömen die Freier herbei, sorgen für endlose Autoschlangen und nach Auskunft der Anwohner für einen "Höllenlärm". Jetzt machen die Anwohner mobil, der Bürgermeister hat sich an höchster Stelle in Paris beschwert.

Seit einigen Wochen schon hagelt es im Rathaus von Boulogne-Billancourt Beschwerden. "Man kann nicht mehr schlafen. Es ist grauenhaft", sagt die Anwohnerin Marie-Capucine Fauvet. "Wir sind empört. Einige Nachbarn haben mir schon gesagt, sie würden sich demnächst ein Gewehr schnappen." Der Bürgermeister von Paris forderte nun, den Stadtwald, in dem der Sturm Zehntausende Bäume niederriss, sofort wieder zu öffnen. Laut Forstbehörde wird dies jedoch frühestens in einem Monat möglich sein - bis dahin patrouillieren verstärkt Polizisten und verteilen Strafzettel. Seit den 80-er Jahren ist der Bois de Boulogne ein Treffpunkt für Transvestiten aus der ganzen Welt. Da die Polizei der Hauptstadt inzwischen rigide gegen die nach wie vor verbotenen Bordelle vorgeht, bleibt vielen Prostituierten nur der Straßenstrich.

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