Welt : Passagiere stürzen in 2200 Metern Höhe aus Ladeluke

Soldaten sollten in einer Transportmaschine von Kinshasa nach Lubumbashi in Kongo fliegen / Regierung: keine Toten

Christoph Link

Nairobi. Auf dem Flug von der Hauptstadt Kinshasa in die Bergbaustadt Lubumbashi im Südosten der Demokratischen Republik Kongo sind mindestens 160 Passagiere aus einem Flugzeug gestürzt. Die Türen und die Ladeluke des Frachtflugzeugs vom Typ Iljuschin 76 öffneten sich in 2020 Meter Höhe. Die Passagiere wurden vom Sog in die Tiefe gerissen. Nach bisherigen Angaben überlebten 40 Passagiere das schwere Unglück.

Über die Zahl der Toten gibt es allerdings unterschiedliche Aussagen. Die kongolesische Regierung hatte im staatlichen Fernsehen sogar behauptet, es habe überhaupt keine Toten gegeben. Wenig später sagte der Informationsminister Kikaya bin Karubi, bei dem Unglück seien nur sieben Soldaten ums Leben gekommen. Dagegen blieben Militärkreise bei ihren hohen Schätzungen. „Die Tür öffnete sich, nachdem vermutlich das Drucksystem versagte“, sagte ein Sprecher in Kinshasa. „Alle Insassen wurden aus der Maschine gerissen.“

Das Flugzeug war von der kongolesischen Armee als Personentransporter gechartert worden und wurde von einer russischen Besatzung geflogen. Allein die Crew in der Pilotenkanzel überlebte. Das Unglück ereignete sich am Donnerstagabend auf halber Flugstrecke über der Provinz Kasai. Als der Pilot die Katastrophe bemerkte, machte er kehrt und flog die Maschine zurück nach Kinshasa.

Unter den Passagieren befanden sich Mitglieder der schnellen Eingreiftruppe der kongolesischen Polizei sowie deren Familienangehörige, meldete die Agentur AFP. Erst am Freitag wurde die Nachricht über das Unglück in der Wohnsiedlung der Polizei in der Nähe des Flughafens von Lubumbashi bekannt. Die kongolesischen Behörden ordneten eine Untersuchung des Unglücks an.

Die Iljuschin 76 ist ein bewährtes Frachtflugzeug, das 1971 erstmals gebaut wurde. Mit einer absenkbaren Rampe am Heck ist es geeignet zum Absetzen von Fallschirmspringern oder Entladen kleiner Fahrzeuge – diese Rampe wurde jetzt offenbar vielen Passagieren zum Verhängnis.

Wegen des schlechten Straßenzustandes sind die Kongolesen auf Inlandsflüge angewiesen. Lubumbashi – 1600 Kilometer von der Hauptstadt Kinshasa entfernt – ist die zweitgrößte Stadt des vom Bürgerkrieg geplagten Landes.

Die Verkehrsfliegerei in Kongo gilt als riskant. Vielfach sind die Flugzeuge nicht gewartet, es fehlen Ersatzteile, kurz vor Abflug klettert häufig ein Mechaniker auf eine Leiter und gießt mit einem Kännchen Öl an die Schmierstellen. Auf Reisekomfort müssen die Passagiere verzichten: Sie werden gemeinsam mit Soldaten und deren Gewehren in die Frachträume der Maschinen hineingepfercht. Es gibt weder Sicherheitsgurte noch Sitze.

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