Welt : Passanten ignorieren Unfallopfer Entsetzen in Indien über ein Video

Jaipur - Nach einem Motorradunfall in der Stadt Jaipur versuchte der verletzte Fahrer 40 Minuten lang vergeblich, Hilfe zu holen. Aufnahmen von Überwachungsvideos zeigten, wie andere Autofahrer achtlos an der Unfallstelle in einem Tunnel vorbeifuhren, während die Frau des Fahrers und seine acht Monate alte Tochter im Sterben lagen. Der Mann war mit seiner 26-jährigen Frau, seiner Tochter und seinem Sohn ohne Helm auf dem Motorrad unterwegs, als er von einem Lastwagen gerammt wurde, der einfach weiterfuhr. Das im indischen Fernsehen ausgestrahlte Video von Überwachungskameras zeigt, wie der Mann blutüberströmt und mit seinem verletzten Sohn auf dem Schoß immer wieder vorbeifahrende Auto- und Motorradfahrer um Hilfe anflehte, während seine Frau und seine kleine Tochter in einer Blutlache lagen.

Erst nach rund 40 Minuten wurde ein Mitarbeiter an einer Mautstation auf die Familie aufmerksam und alarmierte die Polizei. Für seine Frau und das Baby kam jedoch die Hilfe zu spät. Sie starben noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Nach den Worten eines Arztes von der Notaufnahme hätten sie möglicherweise noch gerettet werden können, „wenn sie rechtzeitig ärztliche Hilfe bekommen hätten“. Vater und Sohn wurden nur leicht verletzt, sie konnten das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen. Der Vorfall löste landesweit Empörung aus. Die Zeitungen beklagten einhellig die „Gleichgültigkeit“ der Bevölkerung. Der Onkel der bei dem Unfall getöteten Frau, Praphu Dayal, sagte, es sei „eine Schande, dass Teilnahmslosigkeit zwei Leben gekostet hat“. Der Polizeichef von Jaipur erinnerte an die Pflicht jeden Bürgers zum Beistand von Unfallopfern. Nach Ansicht von Verkehrsexperten könnte bei rascher medizinischer Hilfe die Hälfte der Opfer im indischen Straßenverkehr gerettet werden. Im Jahr 2011 wurden in Indien mehr als 130 000 Menschen bei Verkehrsunfällen getötet. AFP

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