Passionsspiele : Strafe für die Apostel

Der Oberammergauer Sündenkatalog: Wer bei den Passionsspielen aus Versehen lacht, muss drei Euro zahlen. Wer seinen Auftritt verpasst, muss noch tiefer in die Tasche greifen.

Lissy Kaufmann
Wehe, es fängt einer an zu lachen. Schauspieler bei den Passionsspielen.
Wehe, es fängt einer an zu lachen. Schauspieler bei den Passionsspielen.Foto: dpa

Tue Buße, heißt es in der Bibel. Daran sollen sich gute Christen halten – und natürlich auch die Apostel. Wer vergisst, zu spät kommt oder unordentlich ist, muss zum Portemonnaie greifen und Strafe zahlen: So schreibt es der Sündenkatalog für Aposteldarsteller der Oberammergauer Passionsspiele vor.

„Das ist natürlich nicht von oben verordnet“, sagt Frederik Mayet, Pressesprecher der Passionsspiele und einer der Jesus-Darsteller. Vielmehr handelt es sich um eine lockere und spaßige Regelung. Eingeführt haben sie vor einigen Jahren die früheren Aposteldarsteller. Sie teilen sich seit Jahren eine Garderobe – wie die Darsteller des Volkes, der Römer oder der Chor, die ihre eigenen Bußgeldkataloge haben.

Für die verschiedenen Sünden müssen sie einen bestimmten Betrag in eine Kasse zahlen – den Betrag legen die Darsteller jede Spielzeit aufs Neue fest, eingetragen werden die Sünden in ein schwarzes Büchlein. Wenn also Philippus seinen Gebetsschal vergisst, kostet das fünf Euro. Drei Euro zahlen die Apostel pro Versprecher und 15 Euro kostet es, wenn sie ihren Auftritt verpassen. Denn zwischen der Vertreibung vom Ölberg und der Auferstehung haben sie eine Pause von fast sechs Stunden, in denen manche im Sommer an den Badesee fahren oder nach Hause. Da kommt es schon mal vor, dass sie nicht rechtzeitig auf der Bühne stehen. Und wer sein Kostüm in der Garderobe nicht richtig aufhängt oder auf der Bühne in einem unpassenden Moment lacht, zahlt ebenfalls drei Euro.

Mit dem Geld, das im Laufe der Passionsspiele zusammenkommt, feiern die Darsteller Feste. „In diesem Jahr sind sie zusammen auf eine Hütte gefahren, haben Schweinsbraten gegessen und zwei Bier getrunken“, erzählt Mayet. Und sie haben einen Teil für ein soziales Projekt in Indien gespendet. In der Apostelkasse seien aber nicht nur die Bußgelder, sondern unter anderem auch Spenden. Insgesamt etwa 1500 Euro kämen da nach Angaben von Mayet nach 100 Aufführungen zusammen.

Doch die Darsteller müssen nicht nur zahlen, sie verdienen auch: Je nach Rolle einen Prozentanteil der Durchschnittsgage. Für jeden der beiden Jesusdarsteller sind das 125 Prozent und somit etwa 2000 Euro pro Monat.

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