Welt : Pavarotti: Erkennen Sie diesen Tenor?

Werner Raith

Luciano Pavarotti kommt nicht aus den Schlagzeilen. Wie der "Corriere della Sera" am Sonntag berichtete, ist der Tebor in einem Hotel abgewiesen worden, weil er keinen Ausweis bei sich hatte. Das Unglaubliche sei in einem großen Hotel in der norditalienischen Stadt Padua geschehen. Dort habe sich eine Angestellte weder von der imposanten Erscheinung noch vom großen Namen beirren lassen. "Tut mir leid, ohne Dokumente lassen wir nicht einmal den Staatspräsidenten ein." Dabei sei das Zimmer bereits im Voraus bezahlt worden.

"Unglaublich", sagte Pavarotti, "ich war in den exklusivsten Hotels der Welt, niemand hat mir je die Tür vor der Nase zugeschlagen." Begleitet von einem Chauffeur und zwei Freunden sei der "Tenorissimo" daraufhin auf Zimmersuche gegangen - und nach einer Stunde in einem anderen großen Hotel fündig geworden. Auf die Frage, was er von der Gastfreundschaft Paduas halte, entgegnete Pavarotti: "No comment".

Geht es mit Pavarotti bergab? Dass dies ein "sicherlich historisches Konzert" gewesen sei, war so ziemlich allen Kritikern klar, aber "keineswegs im rühmlichen Sinne", so die "New York Times": Pavarotti hatte in der vergangenen Woche, wie berichtet, in Atlatic City im "Casino" des Milliardärs Donald Trump am Ende ein derartiges Gekrächz vollbracht, dass die Besucher reihenweise die Flucht ergriffen und, so erinnern sich einige der Flüchtigen, Schreie wie "Beschiss, der kann ja gar nicht singen" und "Spaghetti go home" ertönt seien. Fünftausend Besucher waren zum stolzen Preis von tausend Dollar pro Billett zum Belcanto-Event geeilt - und dann das. Klang schon der Anfang "nicht gut", wie die "Washington Post" schrieb, "wurde es von Stück zu Stück schlechter", und als er an den beiden letzten Arien angelangt war, tönten allenfalls noch ein paar Piepser über die voll aufgedrehten Mikrophone. Das Schlusslied "Non ti scordar di me", Vergiss mich nicht, bekam da einen ganz besonderen Beigeschmack. Ein entsetzter Donald Trump fordert nun mindestens die Hälfte der Gage von umgerechnet etwa 350 000 Mark zurück.

Und da hat er den Stimmakrobaten just an seiner Schwachstelle gepackt - denn seit Monaten macht der Maestro aus Modena Schlagzeilen wegen finanzieller Störfälle. Versagt ihm die Stimme weiter, wird es zusehends schwierig, hartnäckige Gläubiger wie die Finanzämter zu beruhigen: An ihnen soll der Sänger mehrere Millionen Mark vorbeigeschleust haben. Aber auch seine Ex-Ehefrau Adua will endlich die ihr zustehenden monatlichen Schecks haben. Pavarotti schimpft seither, seine Ex-Frau wolle ihn "finanziell zerstören", was Frau Adua nun als "üble Schlammwerferei empfindet." Dass der mit Pavarotti laufende Werbespot eines Kreditinstituts mit dem Slogan "Hier zählst du, weil du nicht nur eine Nummer bist" wohl nicht mehr zum Kundenfang taugt, haben die Banker erkannt.

Nichts geht mehr bei Pavarotti. Einst war er das Hätschelkind, dem man nichts übelnehmen konnte, bei dessen ansehnlichen Gewichtsschwankungen und Diäten die Nation mitlitt und dessen Seidentüchlein zur Trockung der Schweißausbrüche auf der Bühne Kultstatus erhielt. Doch nun, ein Tenor ohne Stimme? Eilends grummelte er zum "Corriere della sera": Ihm sei in Atlantic City leider die Stimme weggeblieben, und das ausgerechnet vor dem amerikanischen Publikum, dem "wunderbarsten" auf der Welt. Das zweite Mal erst in vierzig Jahren sei ihm so etwas passiert, und wenn er sich nur vorher geschont hätte ...

Aber schonen sei eben nicht seine Sache, er gebe "immer alles", auch wenn er, andererseits, mittlerweile doch sehr aufpasse, dass es nicht zu viel wird, was aber, erneut andererseits, schwer ist, weil eben so viele Anfragen kommen, wie eben gerade von Claudio Abbado für das Neujahrskonzert der Berliner, dem er aber abgesagt hat, mit Schmerzen ...

Dass sein partieller Stimmverlust mit seiner seit vielen Jahren beobachteten Raff-Tendenz zusammenhängen könnte, überall und alles zu singen, wofür es Geld gibt, leugnet er. Seine Ex-Frau: "Mein Ex-Mann ist extrem unfähig, Fehler einzugestehen".

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