Welt : Pavarotti gab Michael Jackson einen Korb

MÜNCHEN (Tsp/AFP). Das Konzert des Jahres in München mit Michael Jackson und 400 weiteren Stars am Sonntag abend startete mit Problemen. Das schlechte Wetter ließ die Preise für die Karten sinken. Startenor Luciano Pavarotti sagte zudem am Sonntag seine Teilnahme kurzfristig ab. Er werde nicht wie geplant gemeinsam mit US-Popstar Michael Jackson auftreten, wurde am Rande des Konzerts bekannt. Er halte sich zur Zeit in Norwegen auf, hieß es. Gegen Pavarotti ermitteln deutsche und britische Finanzbehörden wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Im Februar verlor der Opernstar in Italien einen Prozeß wegen Steuerhinterziehung. Der italienische Startenor muß bis Ende des Jahres 10,5 Millionen Mark nachzahlen.

Mit dem Regen fielen die Preise: Als am Sonntag nachmittag kurz vor Beginn des gigantischen Wohltätigkeitskonzerts über dem Münchner Olympiastadion dunkle Wolken aufzogen, mußten die eigentlich auf Gewinne spekulierenden Schwarzhändler mit ihren Preisen deutlich nach unten gehen. Die günstigsten Tickets, offiziell 125 Mark teuer, waren für 50 Mark zu haben - doch auch zu diesem Billigpreis griff kaum jemand zu. Als die Rock-Veteranen von Status Quo mit einstündiger Verspätung zum Auftakt des Konzertes aufspielten, waren die Ränge des Münchner Olympiastadions denn auch nur zur Hälfte gefüllt. Das launische Wetter machte damit zumindest zum Auftakt einen Strich durch die Rechnung der Organisatoren, die auf 60 000 Besucher bei dem Ereignis der Superklasse gehofft hatten. Der Reinerlös sollte unter anderem an das Rote Kreuz und die Unesco gehen.

Um das musikalische Riesen-Programm problemlos auf die Bühne zu bekommen, mußten die Organisatoren technische Großtaten vollbringen: 500 Techniker waren mit 100 Lastwagen und 60 Tonnen Equipment unterwegs, verlegten 50 Kilometer Kabel und installierten eine 250 000-Watt-Tonanlage. Hinter den Kulissen sorgten tausend Mitarbeiter dafür, daß die Umbaupausen von Auftritt zu Auftritt nicht länger als fünf Minuten dauerten. Damit alle Beteiligten trotz solchen Aufwandes bei Laune und bei Stimme blieben, gab es allein für Stars, Techniker und Betreuer aus drei Großküchen fünf Tonnen Lebensmittel und 5000 Liter Getränke.

Der Auftakt-Song "Rocking all over the world" von Status Quo war in München durchaus wörtlich zu nehmen: Ein Großteil der Stars war über den halben Globus zu dem Konzert ins Münchner Olympiastadion gekommen. Zwei Tage zuvor hatten "Michael Jackson and Friends" noch am anderen Ende der Welt ein ähnliches Wohltätigkeits-Konzert gegeben - im Olympiastadion von Südkoreas Hauptstadt Seoul. Mit speziell gecharterten Jumbo-Jets kamen die Musiker am Sonnabend pünktlich nach Deutschland. Die Bayern-Metropole empfing Michael Jackson fast wie einen Staatsgast. Auf der Fahrt vom Flughafen in die Stadt wurde er von der Polizei eskortiert.

Das Münchner Nobelhotel "Bayerischer Hof" wurde über das Wochenende zu einem wahren Jackson-Palast: So mietete der exzentrische Musiker für seinen Sohn eine eigene Suite - mit Spielzeugen, Teddybären und Süßigkeiten, wie die Konzertagentur "Mama Concert & Rau" von Jackson-Freund Marcel Avram berichtete. Avram hatte erst vor kurzem eine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung abgesessen. 1000 Fans feierten von Sonnabend auf Sonntag auf dem "Promenadeplatz" vor dem Hotel.

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