Welt : Pavarottis arme, reiche Erben

Paul Kreiner

Rom - Wie viele Künstler dieser Welt sind nicht bettelarm gestorben? Und warum sollte es einem Luciano Pavarotti anders ergangen sein? Das hat sich die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ gefragt – und prompt fand sie sich am Rande eines Abgrunds wieder. Nicht einen Betrag zwischen 40 und 200 Millionen Euro, wie Italiens so spekulierfreudige Medien bisher meinten, soll der „Tenorissimo“ hinterlassen haben, sondern 18 Millionen Euro Schulden. Der Grund: Pavarottis lange Krankheit und die sehr teuren amerikanischen Kuren.

Doch die Zeitung fand auch heraus, dass der Verstorbene noch ein Aktienpaket im Wert von 20 Millionen Euro besaß und zahlreiche Immobilien. Pavarotti hatte eine Villa in Pesaro, ein Apartment in Monte Carlo und Liegenschaften am New Yorker Central Park. Der von der Familie beauftragte Notar und Testamentsvollstrecker Giorgio Cariani rückte die Dinge denn auch zurecht: „Wir stehen bei der Inventur noch ganz am Anfang“, sagte er der Nachrichtenagentur Ansa.

Was die Sache schwierig macht, ist die Tatsache, dass Pavarotti und seine zweite Ehefrau Nicoletta Mantovani ihren Besitz recht kreativ angelegt haben: Es gibt eine Reihe von Gesellschaften und Beteiligungen an Unternehmen, die teils ihm, teils ihr oder anderen gehören, einige Geschäfte sind womöglich nur begonnen worden, um vor den Steuerbehörden Verluste ausweisen zu können. Außerdem hat Pavarotti zwei Testamente hinterlassen, das eine für den italienischen Besitz – den Nicoletta mit Pavarottis drei Töchtern aus erster Ehe teilen muss –, das andere für die amerikanischen Immobilien, deren Ertrag allein der zweiten Ehefrau zusteht. Wie amerikanisches und italienisches Recht vereinbar sind, ist noch offen. Paul Kreiner

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