Welt : Pentagon dementiert Kontakt zu Außerirdischen

RUDOLF MERGET (dpa)

Ufo-Fans sehen darin eine Bestätigung für ihren Verdacht, daß die US-Regierung die Wahrheit vertuschtVON RUDOLF MERGET (dpa) WASHINGTON Vor kurzem hat das US-Verteidigungsministerium einen neuen Versuch unternommen, die Bevölkerung zu überzeugen, daß die Armee keinen Kontakt zu Außerirdischen hat, daß es keinen Unterschlupf für Außerirdische unter der Wüste von Nevada gibt und daß auch nirgendwo Überreste eines unbekannten Flugobjektes (Ufo) verborgen gehalten werden.Das Pentagon ließ vielmehr wissen, daß die Streitkräfte die Suche nach Außerirdischen schon vor 18 Jahren aufgegeben hätten, da dies nur eine Verschwendung von Geldern der Steuerzahler sei.Die Erklärung wurde kürzlich von Pentagon-Sprecher Ken Bacon nach dem Massenselbstmord einer Sekte abgegeben, die dachte, sie werde von einem Ufo im Gefolge des Kometen Hale-Bopp abgeholt.Bacon ergänzte, daß die Luftwaffe zwischen 1947 und 1969 als Teil des "Projektes Blaubuch" 12 618 Sichtungen angeblicher Ufos untersucht und keinen Hinweis gefunden habe, daß es extraterrestrische Raumschiffe gebe. Die Erklärung hat das Gegenteil von dem erreicht, was erreicht werden sollte.Die Gemeinde der überzeugten Ufo-Fans sieht sich in ihrem langgehegten Verdacht bestätigt, daß die US-Regierung die Wahrheit vertuschen will.Warum sonst sollte die Regierung ohne jede Not etwas dementieren, was kein vernünftiger Mensch je behauptet hat.Daß sich das Pentagon überhaupt auf dieses Niveau begibt und damit indirekt den Ufo-Unsinn für möglich hält, ist nur schwer erklärlich.Oder ist etwa das Pentagon im Vorfeld von Etatverhandlungen schon so in Erklärungsnotstand geraten, daß es das Thema auf Ufos als neues militärisches Beobachtungsobjekt lenken will? Die Pentagon-Erklärung tritt viele Spekulationen los und belebt alte Mythen.Vor einem halben Jahrhundert hatten zwei Ereignisse am Anfang der modernen Ufologie gestanden.Am 24.Juni 1947 erregte der Privatflieger Kenneth Arnold Aufsehen mit seinem Bericht über eine Formation von silberglänzenden Scheiben in atypischer Bewegung am Mount Rainier im US-Bundesstaat Washington.Die Presse prägte damals dafür die Bezeichnung "Fliegende Untertassen", von denen in den darauffolgenden Monaten eine Reihe weiterer Exemplare gesichtet wurde.Arnold schuf damit den Rahmen für alles, was später mit dem Begriff Ufo versehen wurde.Zwei Wochen nach dieser Vision Arnolds fand ein Schafzüchter bei Roswell im US-Bundesstaat New Mexico ein ungewöhnliches Wrack.Die Wrackteile wurden zu einem Luftwaffenstützpunkt in der Nähe der ländlichen Gemeinde Roswell gebracht.Kurz darauf verbreiteten die Medien eine offizielle Mitteilung, daß das örtliche Luftwaffenkommando der Armee eine "Fliegende Untertasse" erbeutet habe.Doch nur drei Stunden später wurde der publizistische "Schnellschuß" des Militärs dahingehend berichtigt, daß bei Roswell lediglich ein "Wetterballon" niedergegangen sei.Dies konnte nicht verhindern, daß das vorübergehend in Vergessenheit geratene Ereignis im Laufe von 50 Jahren zu einer Art "Heiligen Gral" der Ufologen geworden ist.Erst 30 Jahre darauf, als saisonmäßig an- und abschwellende Berichte über Ufo-Sichtungen schon zu einer weltweiten Routineangelegenheit geworden waren, begann der Fall Roswell nicht zuletzt durch die Bemühungen des Ufo-Fans Stanton T.Friedmann wieder Furore zu machen. Nach fester Überzeugung der Verfechter des Ufo-Glaubens hat das US-Militär 1947 nicht nur eine "Fliegende Untertasse", sondern auch die Leichen der Besatzung geborgen und verschwinden lassen.Dem Gebiet von Roswell kam dabei eine ganz besondere Bedeutung zu: Dort war nämlich der Heimathorst der 509.Bombergruppe, die 1945 die Atombombenangriffe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki flog.Und etwa 150 Kilometer entfernt liegt Alamogordo, wo knapp zwei Jahre vor dem Roswell-Zwischenfall der erste Atompilz aufstieg.Der Brite Ray Santilli präsentierte 1995 einen angeblich aus US-Militärbeständen kommenden "Dokumentarfilm" zum Thema "Roswell - Szenen einer Alien-Autopsie", die von US-Ärzten durchgeführt worden sein soll.In den letzten Jahrzehnten sind Ufo-Berichte mehrmals Gegenstand von Untersuchungen durch den Kongreß gewesen, ohne daß es jemals neue Hinweise auf den Roswell-Fall oder sonstige Ufo-Abstürze gegeben hätte.Die Luftwaffe und der Rechnungshof haben große Untersuchungen zusammengestellt, in denen es hieß, daß das 1947 gefundene Wrack kein Wetterballon, sondern vielmehr ein Spezialballon gewesen sei, mit dem sowjetische Atomexplosionen aufgespürt werden sollten.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben