Peru : Rätselhafter Tod tausender Tiere

3000 tote Delphine wurden in den vergangenen zwei Wochen an der peruanischen Küste angespült, auch andere Tiere verenden auf rätselhafte Weise. Die Strände sind gesperrt - und die Forscher ratlos.

von
Tote Delfine, tote Pelikane, tote Fische werden an der peruanischen Küste angespült. Die Stände sind gesperrt.
Tote Delfine, tote Pelikane, tote Fische werden an der peruanischen Küste angespült. Die Stände sind gesperrt.Foto: AFP

Alles fing an mit ein, zwei Dutzend toten Delfinen, die vor 14 Tagen an die Küste im Norden Perus gespült wurden. Dann wurden es 100, 200, mittlerweile sind es mehr als tausend. Und nicht nur die Delfine sterben. Auch Fische, Schildkröten, Seelöwen und Pelikane verenden hier im Meer. Dieser Tage wirkt die 2500 Kilometer lange Pazifikküste wie ein enormes Grab.

Von einer „ökologischen Katastrophe“, spricht der Umweltschützer Heinz Plenge und fordert die Erforschung der Ursachen. Denn was hinter dem massiven Sterben steckt, darüber rätseln die Forscher noch. Auch wenn es schon eine Vielzahl unterschiedlicher Erklärungsversuche gibt.

In der Hauptstadt Lima verhängte die Gesundheitsbehörde am Dienstag sicherheitshalber ein Badeverbot für die angrenzenden Strände, nachdem in den vergangenen Tagen dort 150 tote Pelikane gefunden worden waren. In Chiclaya waren es 200 tote Vögel, in Trujillo mehr als 3000. Und in der Bevölkerung grassiert Angst: der Konsum von Fisch und Meeresfrüchten ging in den vergangenen Tagen drastisch zurück.

Die Pelikane sind nach Einschätzung des Meeresbiologen Carlos Bocanegra von der Universität in Trujillo schlichtweg verhungert. „Die untersuchten Kadaver waren mager, hatten wenig Abwehrkräfte und viele Parasiten“, sagte Bocanegra der peruanischen Presse. „Ich gehe davon aus, dass sie wegen des Mangels an Sardellen verhungert sind.“ Der Fisch ist das Hauptnahrungsmittel der Pelikane, und er ist in diesem Jahr außergewöhnlich knapp. Grund dafür könnte nach Einschätzung des Vorsitzenden der Forst- und Umweltverwaltung der Region Lambayeque, José Delgado, die Überfischung sein. „Der Fischfang in großem Stil und die Verschmutzung des Meeres haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen“, sagte er.

Die Strände in Lima sind jetzt auf Anweisung des Gesundheitsministeriums gesperrt worden, die rote Flagge weht entlang der Küste. Noch fahren die peruanischen Fischer raus auf’s Meer, um ihren Fang einzuholen. Aber die Menschen scheuen sich, noch Fisch oder Meeresfrüchte zu essen.
Die Strände in Lima sind jetzt auf Anweisung des Gesundheitsministeriums gesperrt worden, die rote Flagge weht entlang der Küste....Foto: AFP

Das Sterben der Vögel und Fische könnte aber auch ein Hinweis darauf sein, dass sich das Klimaphänomen „El Niño“ wieder nähert. Dabei wird der sonst vor der peruanischen Küste dominierende, kalte und fischreiche Humboldtstrom vorübergehend durch wärmere Strömungen verdrängt, was das ganze Klimasystem Südamerikas beeinflusst und zu ungewöhnlichen Dürrephänomenen in einigen und zu extremen Regenfällen in anderen Regionen führt. Die Fischschwärme folgen den kalten Strömungen in Richtung Süden und verlassen die peruanischen Gewässer. „Zuletzt haben wir 1997 ein massives Fisch- und Seevögelsterben gehabt, was damals mit einer Erwärmung der Wassertemperatur zusammenhing“, berichtet der Vorsitzende des meteorologischen Instituts Meteorologica, Abraham Levy.

Ebenso denkbar allerdings sind auch negative Auswirkungen der Offshore-Erdölsuche: Für die Erforschung neuer Ölfelder werden Sprengungen und Explosionen eingesetzt, die ersten Erkenntnissen zufolge die Meeresfauna, besonders die Delfine, beeinträchtigen.

Freiwillige Helfer haben bislang etwa 3000 tote Delfine entlang der Küsten gezählt. Anfangs hatten Experten noch vermutet, die Tiere könnten am Lärm der Öl-Bohrungen verendet sein. Inzwischen wird auch der Hypothese nachgegangen, dass ein Virus, etwa die Vogelgrippe, oder eine andere Erkrankung das Massensterben an der peruanischen Pazifikküste verursacht haben könnte.

14 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben